Wien (OTS) – Die Umsetzung der Women on Boards-Richtlinie der EU soll
den
Frauenanteil in Unternehmen erhöhen. Der diesbezügliche Minimal-
Vorschlag der Regierung, der im heutigen Justizausschuss behandelt
wurde, sieht lediglich eine Anhebung der Frauenquote in
Aufsichtsräten von 30 auf 40 Prozent vor, aber keine Regelung für die
Vorstände. Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Alma Zadić,
kritisiert den Vorschlag scharf: „Es ist für mich unverständlich,
warum die SPÖ Justizministerin eine zentrale Verbesserung für Frauen
in der Wirtschaft aus dem Entwurf streicht. Wir hätten jetzt ein
offenes Fenster gehabt, dringend notwendige Quoten für Vorstände
einzuführen und damit für mehr Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen.
Höchstqualifizierte Frauen dürfen nicht von Männernetzwerken
abhängen. Dass die ÖVP auf der Bremse steht, überrascht mich nicht.
Aber dass die SPÖ so schnell ihre Position aufgibt, ist bitter für
alle Frauen im Land, die an die Versprechen der Sozialdemokratie
geglaubt haben.“
„Dieser Vorschlag ist ein schlechter Witz. Monatelang beteuert
die Regierung, wie wichtig Frauen in der Wirtschaft sind. Aber wenn
es um konkrete Maßnahmen für Frauen geht, dann passiert nichts“,
kritisiert Elisabeth Götze, Wirtschaftssprecherin der Grünen.
„Die Umsetzung der EU-Richtlinie ist der Lackmustest, und den
besteht die Regierung nicht“, konstatiert Götze und weiter: „Quote
wirkt, das zeigt die vor rund neun Jahren eingeführte Quote in
Aufsichtsräten. Die ändert aber nichts an der geringen Repräsentanz
von Frauen in Vorständen. Nach wir vor gibt es hier eine gläserne
Decke. Mit rund 13 Prozent sind Frauen in den Vorständen der an
Österreichs Börse notierten Unternehmen klar unterrepräsentiert.“
Dabei würde der Vorschlag der Grünen die Chance zum Erreichen
aller selbst gesetzten Ziele bieten. „Die stärkere Beteiligung von
Frauen und mehr Diversität machen Betriebe wirtschaftlich
erfolgreicher und stärken die Volkswirtschaft. Dieses Potenzial aus
ideologiebetriebener Ignoranz liegen zu lassen, ist grob fahrlässig“,
meint Götze und hält fest: „Völlig unverständlich ist, dass sogar
diese Minimalvariante der Regierung noch weiter verwässert wird und
ein halbes Jahr verspätet in Kraft treten soll.“
Der von der ehemaligen Justizministerin Alma Zadić vor über einem
Jahr vorgelegte Entwurf sah neben der 40-prozentigen Quote im
Aufsichtsrat auch eine für Vorstände in börsennotierten Unternehmen
vor: Sofern der Vorstand aus mindestens drei Personen besteht, soll
mindestens eine Person des unterrepräsentierten Geschlechts vertreten
sein. Der Entschließungsantrag vom Mai vergangenen Jahres fordert von
der Regierung jedenfalls die rasche Vorlage eines Vorschlags, der
wesentliche Impulse für die Gleichstellung von Frauen in
Leitungspositionen, also in Aufsichtsräten und Vorständen, setzt.