ÖGB-Prischl: „Arbeitsmarkt kann Integrationsbooster sein – wenn die Bedingungen fair sind“

Wien (OTS) – Die aktuelle Studie der Arbeiterkammer zeigt klar: Der
österreichische Arbeitsmarkt erfüllt seine Integrationsfunktion nur
eingeschränkt und nutzt das vorhandene Potential bei Zugewanderten
nicht. „Das ist besorgniserregend und angesichts des großen
Fachkräftebedarfs nicht besonders intelligent“, kritisiert Alexander
Prischl, ÖGB-Arbeitsmarktexperte.

Rund 40 Prozent der Migrant:innen aus Nicht-EU-Ländern arbeiten
in Jobs abseits ihrer Qualifikation. „Ein zentrales Hindernis ist die
komplizierte Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Nur rund 13
Prozent der Zugewanderten stellen überhaupt einen Antrag auf
Anerkennung. Die Verfahren sind oft langwierig, bürokratisch, mit oft
hohen Kosten verbunden und für viele schwer zugänglich. Dadurch gehen
dem Arbeitsmarkt wertvolle Fachkräfte verloren und die Betroffenen
werden oft unter ihrer tatsächlichen Qualifikation entlohnt“, so
Prischl.

„Zugewanderte könnten den Fachkräftebedarf lindern und der
Arbeitsmarkt könnte gleichzeitig ein echter Integrationsbooster sein.
Aber dafür braucht es faire Bedingungen, stabile und der
Qualifikation entsprechende Jobs und echte Unterstützung durch mehr
Sprachförderung und Kinderbetreuung“, sagt der ÖGB-
Arbeitsmarktexperte. „Das Problem, dass viele Frauen aufgrund von
Sorgearbeit nicht arbeiten können, betrifft auch Migrantinnen und
stellt für sie ein zusätzliches Hindernis dar“, betont Prischl.

ÖGB fordert konkrete Maßnahmen

Der ÖGB fordert daher gezielte Verbesserungen, um den
Fachkräftebedarf zu lindern und Integration durch Arbeit tatsächlich
möglich zu machen:

– Fachkräftepotenzial nutzen: Viele zugewanderte Menschen bringen
Qualifikationen und Erfahrung mit, die derzeit nicht ausreichend
eingesetzt werden.

– Abschlüsse leichter anerkennen: Vor allem im Rahmen von
Qualifizierungsprogrammen müssen vorhandene Kompetenzen rasch und
unbürokratisch formal anerkannt werden.

– Mehr Sprachförderung: Gute Deutschkenntnisse sind zentral für faire
Chancen am Arbeitsmarkt – entsprechende Angebote müssen ausgebaut und
an die Bedürfnisse Berufstätiger angepasst werden.

– Flächendeckende und kostengünstige Kinderbetreuung damit vor allem
Frauen ihr Potential besser nutzen können.

Faire Arbeit statt Ausbeutung – Muttersprachliche Beratung für
Migrant:innen

Besonders in Branchen, in denen viele Migrant:innen arbeiten,
kommt es häufig zu Missständen sowie Lohn- und Sozialdumping. Mit der
muttersprachlichen Beratung sorgt der ÖGB dafür, dass Beschäftigte
sich kostenlos beraten lassen können, sie ihre Rechte kennen und
durchsetzen können – unabhängig von ihrer Herkunft oder Sprache.
„Faire Arbeit darf keine Frage der Muttersprache sein. Jede:r hat das
Recht auf gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung“, betont
Prischl abschließend.