IEA-Bericht: Gute Noten für Österreich, doch Ausbau zu langsam

Wien (OTS) – Der heute veröffentlichte Länderbericht der
Internationalen
Energieagentur (IEA) bescheinigt Österreich eine starke
Ausgangsposition für die Transformation des Energiesystems.
Gleichzeitig macht er deutlich: Um Versorgungssicherheit,
Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit von fossilen Importen
langfristig zu sichern, braucht es jetzt deutlich mehr Tempo beim
Ausbau von Erneuerbaren, Netzen und Flexibilitäten.

„Der IEA-Bericht bestätigt es einmal mehr: Österreich liegt bei der
Transformation des Energiesystems gut im Rennen. Unsere Wasserkraft,
unsere Speicher, der hohe Anteil erneuerbarer Stromerzeugung und die
grenzüberschreitenden Verbindungen verschaffen uns eine
Spitzenposition“, sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von
Oesterreichs Energie. „Angesichts anhaltender geopolitischer
Unsicherheiten gilt es jetzt aber weiter Tempo zu machen. Wer
Versorgungssicherheit, leistbare Energie und Wettbewerbsfähigkeit
langfristig sichern will, muss den Ausbau der Erneuerbaren und der
Netze konsequent vorantreiben und bestehende Hürden rasch
beseitigen.“

Nur jede fünfte Stunde rein erneuerbar
Den bisherigen Spitzenwert erreichte Österreich im Jahr 2024 – als
rund 90 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt
werden konnten. Besonders dynamisch verlief der Ausbau der
Photovoltaik, die 2024 bereits 11,3 Prozent zur Stromversorgung
beitrug. Gleichzeitig unterstreicht der Bericht, dass es nun noch
stärker um die Integration neuer Kapazitäten gehe. Der weitere Ausbau
müsse systemdienlich erfolgen. Denn so erfreulich die Bilanz auch ist
– der Blick auf die einzelnen Stunden eines Jahres zeigt, dass
derzeit nur rund jede fünfte Stunde vollständig aus erneuerbaren
Quellen gedeckt werden kann.

Aus Sicht von Oesterreichs Energie ist dabei entscheidend, die
Stärken des österreichischen Stromsystems gezielt weiterzuentwickeln.
Dank Wasserkraft, Pumpspeichern und den Verbindungen zu unseren
europäischen Nachbarn nimmt Österreich bereits heute eine wichtige
Rolle als grüne Batterie ein. „Damit Österreich diese Rolle weiter
ausbauen kann, müssen Verfahren beschleunigt und Investitionen in
Infrastruktur und Erzeugung durch verlässliche Rahmenbedingungen
ermöglicht werden“, so Schmidt.

Windkraft schließt Winterlücke
Zugleich macht die IEA in ihrem Bericht deutlich, dass Österreich bei
der Umsetzung hinter den eigenen Ambitionen zurückbleibt. Ein
zentraler Kritikpunkt ist der schleppende Ausbau der Windkraft. Um
saisonale Schwankungen abzufangen und die Versorgung in den
Wintermonaten zu sichern, braucht das Stromsystem künftig deutlich
mehr Windenergie. Nach Einschätzung der IEA ist das Ziel von
zusätzlich rund 10 Terawattstunden bis 2030 mit den derzeitigen
Rahmenbedingungen aber kaum erreichbar.

„Dieser Bericht ist auch ein Auftrag an die Politik: Unsere Windkraft
-Lücke muss endlich geschlossen werden. Wer Versorgungssicherheit,
Wettbewerbsfähigkeit und leistbare Energie ernst nimmt, muss die
Voraussetzungen für einen rascheren Ausbau schaffen – mit schnelleren
Verfahren, ausreichenden Flächen und klaren politischen
Weichenstellungen“, so Schmidt. „Vor allem im Winter brauchen wir
mehr Windkraft. Jede zusätzliche Kilowattstunde verringert die
weiterhin hohe fossile Abhängigkeit in der kalten Jahreszeit und
stärkt die Resilienz Österreichs.“

Elektrifizieren statt importieren
Auch in den Bereichen Wärme und Verkehr sieht die IEA Aufholbedarf.
Die Elektrifizierung dieser Bereiche ist ein wesentlicher Hebel, um
Importe von Öl und Gas zu reduzieren. „Wer Versorgungssicherheit,
Wettbewerbsfähigkeit und leistbare Energie langfristig sichern will,
muss Strom als Schlüsseltechnologie in allen Sektoren stärken“, so
Schmidt. „Anstatt bestehende Anreize – etwa für die Anschaffung von E
-Autos – zurückzunehmen, braucht es klare Signale für den Umstieg. E-
Mobilität ist nicht nur effizienter und zukunftsfähiger, sondern
reduziert auch die Abhängigkeit von Energieimporten und stärkt damit
die Resilienz Österreichs.“

Ein zentraler Hebel für mehr Umsetzungstempo ist das Erneuerbaren-
Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Auch die IEA kritisiert, dass
Verzögerungen bei zentralen Reformen den Ausbau bremsen – genau hier
soll das EABG ansetzen: Verfahren beschleunigen, Planungssicherheit
schaffen und Investitionen in den Ausbau erleichtern. „Beim EABG geht
es um Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die
Unabhängigkeit von fossilen Importen. Österreich kann seine starke
Position in Europa nur sichern, wenn zentrale Reformen jetzt rasch
umgesetzt werden“, sagt Schmidt. Oesterreichs Energie appelliert
daher an den Gesetzgeber, das EABG nun rasch zu beschließen.