Wien (OTS) – „Die Lehre als Grundpfeiler der Berufsbildung baut auf
den Leistungen
der vielen guten Ausbildungsunternehmen auf“, hält Christoph
Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) in Bezug
auf die Ergebnisse des AK-Lehrlingsmonitors fest. Denn abgesehen
davon, dass Lehrlinge in Berufen wie Mechatronik, Metalltechnik,
Hochbau oder Industriekaufmann/-frau neue Spitzenwerte in puncto
Zufriedenheit erzielen, investiert ein Industrieunternehmen rund
140.000 Euro pro Lehrling – „ein Betrag, der sich erst weit nach
Lehrabschluss amortisiert. Aktuelle Studien zeigen, dass für das
öffentliche Budget die Lehre die bei Weitem kostengünstigste Variante
ist – ganz abgesehen von den Steuer- und Sozialabgaben, die wieder in
die öffentliche Börse fließen.“ Ohne Lehre würden der öffentlichen
Hand Mehrkosten von rund 372 Mio. Euro entstehen. Der Berufseinstieg
gelingt Lehrabsolventinnen und -absolventen mit Abstand am
schnellsten, in manchen Berufen übertrifft das Lebenseinkommen jenes
von Hochschulgraduierten sogar bis ins vierte Lebensjahrzehnt.
Einführung einer Bildungspflicht notwendig
Dass die Anzahl der Lehrbetriebe zurückgeht – rezessionsbedingt
sogar in der Industrie –, ist ein Fakt, dem man gemeinsam
entgegenwirken muss. In der Industrie steht dem jetzigen Rückgang bei
Neuaufnahmen von Lehrlingen ein massiver Anstieg in den Jahren
unmittelbar vor und nach der Covid-19-Pandemie gegenüber, der die
Industrie zur zweitgrößten Ausbildungsbranche in Österreich gemacht
hat. Die wirtschaftliche Situation der österreichischen Industrie ist
in den letzten drei Jahren aber sehr schwierig gewesen. Außerdem sind
die Ausgangsbedingungen für ausbildende Unternehmen alles andere als
einfach: „Unternehmen müssen Brückenkurse in den Grundkompetenzen wie
Deutsch und Mathematik anbieten. In der Berufsorientierung an Schulen
wird die Lehre noch nicht ausreichend als gleichwertige
Bildungsoption dargestellt – sofern fundierte Berufsorientierung
überhaupt stattfindet“, so Neumayer. Die Einführung einer
Bildungspflicht bis zum Alter von 14 Jahren kann bei diesen Problemen
Abhilfe schaffen.
Dass jetzt noch die öffentliche Finanzierung der Lehre infrage
gestellt wird, ist genau das Gegenteil einer Aufwertung der
Lehrausbildung. Es braucht ein Gesamtpaket, das der Lehre als
Kernelement des Bildungssystems gerecht wird: „Neben besseren
Grundkompetenzen und mehr Berufsorientierung braucht es dafür die
finanzielle Absicherung der Lehrbetriebe als
Ausbildungsinstitutionen. Gemeinsam mit den dann hoffentlich
durchgängig qualitätsgesicherten und digitalisierten Berufsschulen
kann die Lehrausbildung zu jenem Grundpfeiler werden, als den wir sie
heute schon verstehen wollen“, so Neumayer abschließend.
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