Wien (OTS) – Wien steht vor einer bildungspolitischen Zeitenwende –
und vor einem
bildungspolitischen Versagen historischen Ausmaßes. „Mehr als die
Hälfte der Wiener Schulanfänger versteht den Lehrer nicht – das ist
keine Statistik, das ist eine Bankrotterklärung der Bildungspartei
Neos“, so Gemeinderat Lorenz Mayer. „Die Wiener Neos rauben damit
einer ganzen Generation die Zukunft – und zwar jenen Kindern, denen
im Kindergarten die Sprache nicht beigebracht wird, ebenso wie jenen,
die in Klassen sitzen, in denen kaum noch jemand Deutsch sprechen
kann.“
Besonders alarmierend: Mehr als die Hälfte der außerordentlichen
Schüler ist in Österreich geboren und hat bereits mehrere Jahre einen
Kindergarten besucht. „Das Märchen von den frisch zugewanderten
Kindern stimmt nicht. Es handelt sich um Kinder, die seit ihrer
Geburt in Österreich leben und trotzdem mit sechs Jahren den Lehrer
nicht verstehen. Das ist kein Integrationsproblem – das ist ein
Systemversagen“, so Mayer weiter.
„Wien besitzt keine Bodenschätze und ist keine Industriehochburg.
Wien ist eine Dienstleistungshauptstadt – und der wichtigste Rohstoff
dieser Stadt ist der Mensch: sein Talent, seine Begabung und vor
allem seine Kommunikationsfähigkeit“, betont Gemeinderat Hannes
Taborsky. „Wenn mehr als die Hälfte der Schulanfänger den Lehrer
nicht versteht, dann ist das nicht nur ein Bildungsproblem, sondern
eine massive Gefahr für den Wohlstand dieser Stadt.“
Die Zahlen seien in mehrfacher Hinsicht alarmierend: Mehr als 60
Prozent der außerordentlichen Schüler sind in Österreich geboren,
23,4 Prozent besitzen sogar die österreichische Staatsbürgerschaft.
Im Schnitt haben diese Kinder bereits mehr als zwei Jahre einen
Kindergarten besucht. „Das ist kein Integrationsproblem, das ist ein
systemisches Versagen der elementaren Bildung“, so Taborsky und Mayer
weiter. Seit fünf Jahren tragen die Neos Verantwortung im
Bildungsressort – doch verbessert hat sich nichts. „Im Gegenteil: Die
Situation ist messbar schlechter geworden. In Wien wurden keine
Flügel gehoben – es wurden Flügel gestutzt“, so Taborsky.
Besonders dramatisch sind die Unterschiede zwischen den Bezirken.
In sieben Bezirken liegt der Anteil außerordentlicher Schüler bereits
deutlich über 50 Prozent. In Margareten sind es über 76 Prozent, in
Ottakring, Favoriten und der Brigittenau rund 70 Prozent, in Meidling
bereits 63 Prozent – mit steigender Tendenz. „Während in Mariahilf im
Schnitt vier außerordentliche Schüler in einer Klasse sitzen, sind es
in Margareten siebzehn. Damit wird die Bildungsfrage zur
Wohnortfrage. Wer es sich leisten kann, zieht weg – und Wien wächst
nicht zusammen, sondern auseinander“, führt Mayer aus.
Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse haben weniger Chancen
auf eine erfolgreiche Schullaufbahn, weniger Chancen auf einen
Ausbildungsplatz und weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz. „Und so
hart es klingt: Die außerordentlichen Schüler von heute sind die
potenziellen Mindestsicherungsbezieher von morgen“, betont Taborsky.
„Wien braucht keine pinken PR-Projekte, sondern strukturelle,
nachhaltige und verpflichtende Maßnahmen. SPÖ und Neos stehen in
dieser Stadt in der Verantwortung – und müssen sie endlich auch
wahrnehmen“, so Mayer und Taborsky abschließend.