Wien (OTS) – Die Industriellenvereinigung (IV) bedauert die
Entscheidung, die
Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens zu verschieben, sieht darin
aber gleichzeitig eine unverhoffte Chance für Österreich, seine
Positionierung strategisch und faktenbasiert zu überprüfen. In einer
Zeit, in der das wirtschaftliche Umfeld von Rezession, geopolitischer
Unsicherheit und protektionistischen Tendenzen geprägt ist, braucht
es kluge, zukunftsgerichtete Entscheidungen und keine weiteren sturen
Blockaden. „Wir dürfen diese Phase nicht ungenützt verstreichen
lassen. Die österreichische Bundesregierung hat eine neue Chance
bekommen, ihre Position zum Handelsabkommen noch einmal gründlich zu
überdenken und durch klare Signale Verantwortung zu zeigen. Im Sinne
der aktuell schwierigen Lage wäre es mehr als unverständlich, diese
Chance nochmals verstreichen zu lassen und sich in die Geiselhaft
volkswirtschaftlich vernachlässigbarer Partikularinteressen, die
längst im Vertrag fair gelöst wurden, zum Schaden von allen zu
begeben. Angesichts globaler Herausforderungen – steigender
Protektionismus, volatile Lieferketten, geopolitische Spannungen –
ist es dringend notwendig, Handelspartnerschaften zu diversifizieren
und Österreichs Zugang zu dynamischen Märkten wie in Lateinamerika zu
sichern.“
Das EU-Mercosur-Abkommen bietet der österreichischen Wirtschaft
erhebliche Chancen: Rund 91 Prozent der Zölle auf EU-Warenexporte in
die Mercosur-Staaten würden schrittweise entfallen, was laut
Europäischer Kommission jährliche Einsparungen von bis zu vier
Milliarden Euro für europäische Unternehmen bedeutet. Studien gehen
von einer deutlichen Exportsteigerung in die Region aus.
Österreich ist noch eine der exportstärksten Volkswirtschaften
Europas – der Export sichert rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze und
trägt maßgeblich zu den Staatseinnahmen bei. Gerade in einer Phase
kaum spürbaren Wachstums und sinkender Exportzahlen kann ein gut
verhandeltes Freihandelsabkommen – und dies ist das Lateinamerika-
Abkommen – neue wirtschaftliche Impulse setzen und österreichischen
Betrieben neue Märkte eröffnen ohne weitere Kostenbelastungen für den
Bundeshaushalt.