AWG-Novelle: Mehr Güter auf die Schiene ist der richtige Weg

Wien (OTS) – Mit Verwunderung nimmt der Fachverband der
Schienenbahnen die jüngste
Kritik an der Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) zur
Kenntnis. Die darin geäußerten Befürchtungen über einen
vermeintlichen „Schienenzwang“ sowie angebliche Nachteile für
Recyclingbetriebe entbehren einer sachlichen Grundlage.

Kein Schienenzwang, sondern klare Flexibilität

Entgegen aktueller Behauptungen seitens Industrievertretern sieht
das AWG ausdrücklich vor, dass Abfalltransporte auch weiterhin mit
alternativen Verkehrsmitteln durchgeführt werden können – sofern
diese über ein gleichwertiges oder geringeres Schadstoff- und
Treibhausgaspotenzial verfügen oder keine ausreichenden
Schienenkapazitäten vorhanden sind. „Von einem Schienenzwang kann
daher überhaupt keine Rede sein. Das Gesetz schafft vielmehr klare
Anreize, Transporte klimafreundlicher zu gestalten, ohne die Branche
in ihrer Flexibilität einzuschränken“, betont Günter Neumann, Obmann
des Fachverbandes der Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ).

Bahnlogistik für alle Abfallarten geeignet

Die Behauptung, viele Abfallarten seien nicht bahntauglich, ist
längst überholt. Die ÖBB Rail Cargo Group hat beispielsweise in den
letzten Jahren zahlreiche innovative Containerlösungen für
Recyclingholz, staubförmige Abfälle oder Nichteisenmetalle
entwickelt. Mit dem Abfallkompetenzzentrum „Environmental Solutions“
steht der Branche zudem ein spezialisierter Partner zur Verfügung,
der auf die Anforderungen von Entsorgungsbetrieben eingeht.

Effiziente Plattform statt Bürokratiebremse

Auch die Kritik an der Online-Plattform aufschiene.gv.at greift
zu kurz: Die gesetzlich vorgesehenen Bearbeitungszeiten von zwei
Werktagen werden in der Praxis überwiegend eingehalten, das berichten
unisono viele Partnerbetriebe, welche die Plattform bereits nutzen.
Und die Güterbahnen wiederum berichten, dass Ablehnungen vor allem
durch unrealistische oder kurzfristige Anfragen entstehen – nicht
durch mangelnde Kapazität. Die Plattform erfüllt ihren Zweck als
Steuerungsinstrument und sorgt für Transparenz.

Kosten und Recyclingfragen liegen nicht am Bahntransport

Steigende Kosten resultieren vor allem aus Inflation,
Energiekosten und strukturellen Wettbewerbsnachteilen gegenüber der
Straße. „Hier müssen wir ansetzen und endlich gleiche
Rahmenbedingungen für Schiene und Straße schaffen“, appelliert
Neumann. Wirtschaftsprüfungen zeigen keine preislichen
Auffälligkeiten im Bahnsektor. Auch die Behauptung, das AWG behindere
Recycling, ist irreführend: Die eigentliche Diskussion betrifft die
Einstufung von Sekundärrohstoffen als Abfälle – nicht deren
Transportmittel.

Bereits spürbare Erfolge

Der Schienengüterverkehr ist dem Fachverband zufolge nicht nur
drei- bis viermal klimafreundlicher als der Straßentransport, sondern
auch volkswirtschaftlich günstiger. Stau-, Unfall- und Umweltkosten
werden im Straßenverkehr nach wie vor überwiegend von der
Allgemeinheit getragen. Jeder Transport, der auf die Schiene
verlagert wird, reduziert Lärm, Abgase und CO₂-Belastung.

Seit Inkrafttreten der AWG-Novelle wurden bereits rund 200.000
Tonnen Abfälle erfolgreich auf die Schiene verlagert. Zusätzlich
besteht ein Potenzial von bis zu 770.000 Tonnen – ein wichtiger
Schritt für die Erreichung der Klimaziele.

Die AWG-Novelle bringt Bewegung in die Abfalllogistik und leistet
einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Güterverkehrs. „Die
Schiene ist nicht Problem, sondern Teil der Lösung. Wenn wir
Österreichs Klimaziele ernst nehmen und auch tatsächlich erreichen
wollen, dann müssen wir Abfall- und Gütertransporte konsequent auf
umweltfreundlichere Verkehrsträger verlagern“, so Günter Neumann
abschließend.

Über den Fachverband der Schienenbahnen

Der Fachverband Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer
Österreich ist die österreichweite Interessensvertretung für alle
Eisenbahnen und städtischen Nahverkehrsunternehmen. Derzeit umfasst
der Fachverband 150 Mitgliedsunternehmen mit ca. 55.000
Mitarbeiter:innen und vertritt diese auch auf EU-Ebene. Neben der
Initiierung, und Begutachtung von Gesetzen, fungiert der Fachverband
auch als bewährter Sozialpartner und verhandelt für seine
Mitgliedsunternehmen branchenweit die Kollektivverträge im
Eisenbahnbereich. (PWK411/DFS)