Wien (OTS) – In der Kronen Zeitung lobt der Wiener
Wirtschaftskammer-Präsident
Walter Ruck Wien als lebenswerte Weltstadt und fordert im gleichen
Atemzug eine Sonntagsöffnung im Handel. Für die Gewerkschaft GPA ist
das ein Widerspruch in sich.
„Wenn Wien die lebenswerteste Stadt bleiben soll, sollte man
vielleicht bei den über 100.000 Handelsangestellten, die von
derartigen Vorschlägen betroffen wären ansetzen, und nicht bei den
Wünschen von Tourist:innen“, betont Mario Ferrari,
Bundesgeschäftsführer und Leiter der Kollektivvertragsarbeit der
Gewerkschaft GPA. „Und sie lehnen Sonntagsarbeit mit einer
überwältigenden Mehrheit von 95 Prozent ab“, sagt Ferrari in Bezug
auf eine Umfrage der Gewerkschaft GPA unter Handelsangestellten.
Genauso unverändert wie die Faktenlage sei auch die Position der
Gewerkschaft: „Sonntagsarbeit auf dem Rücken der Beschäftigten wird
es mit uns nicht geben!“
Denn gerade Freiwilligkeit sei bei einer Sonntagsöffnung reine
Illusion: „Die von Herrn Ruck betonte Freiwilligkeit mag es für
Unternehmen geben, aber sicher nicht für die Beschäftigten“, führt
Ferrari aus. Das häufige Einspringen und das geringe Mitspracherecht
bei der Gestaltung von Dienstplänen sorgen schon jetzt für wenig
Planbarkeit im Leben der Handelsangestellten. „Für viele ist der
Sonntag der einzige verlässlich freie Tag für Familie und Freunde,
und damit entscheidend für Lebensqualität und soziale Teilhabe.“
Zusätzlich sei der Job bereits jetzt sehr fordernd: „Schon jetzt
klagen viele über körperliche und seelische Belastung. Und auch der
Personalmangel würde sich durch Sonntagsarbeit weiter verschärfen. So
machen wir den Handel sicher nicht attraktiver“, beschreibt Ferrari
die Konsequenzen.
Besonders betroffen wären zudem Frauen, die rund siebzig Prozent
der Handelsangestellten ausmachen: „Die Vereinbarkeit von Job und
Betreuung ist schon jetzt für viele ein Problem. Fehlende
Betreuungsangebote am Sonntag verschärfen das noch einmal massiv. Das
zeigt einmal mehr, wie wenig der aktuelle Vorstoß mit der
Lebensrealität der Beschäftigten zu tun hat“, kritisiert Ferrari.
Auch wirtschaftlich sei der Nutzen fraglich: „Von einer
Sonntagsöffnung profitieren vor allem große Ketten. Für kleinere
Betriebe bedeutet sie hingegen höhere Kosten, ohne dass fixe
Mehreinnahmen garantiert wären“, so Ferrari abschließend.