Totschnig/Schmiedtbauer/Mayer: Waldverjüngung ist Schlüssel für zukunftsfitten Wald

Wien (OTS) – Mit einem Waldanteil von rund 48 Prozent zählt
Österreich zu den
waldreichsten Ländern Europas. Der Wald erfüllt zentrale Funktionen
für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft: Er schützt vor
Naturgefahren, bindet CO2 aus der Luft und speichert es im Holz,
bietet den Menschen Erholung, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen,
stellt den nachwachsenden Rohstoff und Energieträger Holz bereit und
sichert wichtige Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Österreich.

Im Rahmen einer Pressekonferenz gaben Forstminister Norbert
Totschnig, die steirische Landesrätin für Land- und Forstwirtschaft
Simone Schmiedtbauer und der Leiter des Bundesforschungszentrums für
Wald (BFW), Peter Mayer einen Überblick über den aktuellen Zustand
des Waldes in Österreich sowie Maßnahmen zur Klimawandelanpassung und
zum Umgang mit Wildschäden.

Forstminister Norbert Totschnig: „Der Wald ist mit seinen vielen
wichtigen Funktionen ein wahrer Schatz für Österreich – und er ist
ein zentraler Partner im Kampf gegen den Klimawandel. Umso wichtiger
ist es, dass wir ihn pflegen und zum Wald der Zukunft
weiterentwickeln. Bei der Waldbewirtschaftung geht es um
langfristiges Denken. Unser Ziel muss es sein, den Wald auf die
nächsten 100 Jahre vorzubereiten. Dafür ist eine aktive
Waldbewirtschaftung mit einer laufenden Waldverjüngung wichtig.“

Landesrätin Simone Schmiedtbauer: „Die klimafitte Verjüngung unserer
Wälder ist eine Generationenaufgabe. Mit Projekten wie der
dynamischen Waldtypisierung in der Steiermark nutzen wir
Digitalisierung und Forschung, um Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern
konkrete Entscheidungshilfen für standortgerechte Baumarten zu geben.
So machen wir unsere Wälder widerstandsfähig gegen die
Herausforderungen des Klimawandels und sorgen für Wertschöpfung im
ländlichen Raum.“

Grundlage für die Bewertung des Waldzustands ist die Österreichische
Waldinventur , die seit 1961 vom BFW wissenschaftlich durchgeführt
wird. Die langjährigen Erhebungen erfolgen österreichweit auf über
11.000 Probeflächen und ermöglichen Rückschlüsse auf die Entwicklung
des Waldes.

Positive Entwicklung trotz Herausforderungen
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die nachhaltige
Waldbewirtschaftung auszahlt: Seit 1961 – dem ersten Jahr der
Messungen – ist die Waldfläche um rund 330.000 Hektar auf über 4
Millionen Hektar gestiegen. Der Zuwachs entspricht einer Fläche, die
größer ist als Vorarlberg und Wien zusammen. Auch die zweite
wesentliche Messgröße – der Holzvorrat – hat von 780 Millionen
Kubikmeter im ersten Untersuchungszeitraum 1961/70 auf 1.174 Mio. Vfm
in der im aktuellen Untersuchungszeitraum 2018/23 zugenommen.

Gleichzeitig steht der Wald aufgrund des Klimawandels vor großen
Herausforderungen. So treten vermehrt klimabedingte Schadereignisse
wie längere Trockenperioden, vermehrter Borkenkäferbefall, oder
Extremwetterereignisse wie Stürme und Schnee auf. Diese Belastungen
spiegeln sich in den Zahlen wider: Beispielsweise lag der
Schadholzanteil 2024 mit rund 11 Millionen m³ um 22,2 Prozent über
dem Vorjahr. Auch im mehrjährigen Durchschnitt zeigt sich dieser
Trend: Der Schadholzanfall im Jahr 2024 lag um 30,36 % über dem 5-Ø (
8,45 Mio. m³) und um 32,43 % über dem 10-Ø (8,32 Mio. m³).

Eine weitere Herausforderung sind die Schäden an den vor allem jungen
Bäumen durch beispielsweise Wildeinfluss. Dabei handelt es sich in
erster Linie um Schäden an Bäumen, die das Wild durch Schälen der
Baumrinde und Verbiss von Bäumen verursacht. Das BMLUK veröffentlicht
dazu jährlich einen Wildschadensbericht, der heuer überarbeitet
wurde. Neu ist, dass der Wildschadensbericht 2024 nicht nur die
Gesamtsituation, sondern auch konkrete Maßnahmen abbildet. Außerdem
hat das BMLUK die neue Broschüre „Erfolgsmodelle ausgeglichener Wald-
Wild-Verhältnisse“ veröffentlicht, in der Best-Practice-Beispiele der
Zusammenarbeit von Forst und Jagd gezeigt werden, damit diese weiter
ausgerollt werden können.

DI Dr. Peter Mayer, Leiter des BFW: „Der Wildschadensbericht 2024
legt einen Schwerpunkt auf die Maßnahmen und Initiativen zur
Verbesserung der Wildschadenssituation. Die vorliegenden Ergebnisse
zeigen, dass es noch weitere Anstrengungen braucht, um ausgeglichene
Wald-Wild-Verhältnisse zu schaffen. Beispielsweise sind die
Schälschäden im Wirtschaftswald zurückgegangen. Im Schutzwald
hingegen kam es zu einem leichten Anstieg der Schälschäden.“

Waldverjüngung als zentrale Gegenmaßnahme
Die Verjüngung der Waldbestände ist bei der Anpassung an die
Auswirkungen des Klimawandels die wichtigste Gegenmaßnahme, denn
Waldbestände zwischen 41 und 60 Jahren binden am meisten Kohlenstoff.
Bei älteren Beständen nimmt diese Fähigkeit wieder ab. Eine aktive
Waldbewirtschaftung, bei der die Baumbestände laufend verjüngt
werden, leistet daher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei
den Neupflanzungen und Wiederbewaldungen ist wichtig, den Wald
möglichst gut auf die künftigen Klimabedingungen vorzubereiten, was
durch Mischbestände mit geeigneten Baumarten erzielt wird. Vor allem
Laubbäume wie Buche, Eiche und Ahorn werden besonders häufig
gepflanzt.

Der Bund unterstützt diese Neupflanzungen über den Waldfonds: So
wurde im Zeitraum vom Start des Waldfonds 2021 bis August 2025 mit
einem Volumen von 68,9 Mio. Euro die Pflanzung von rund 26,3 Mio.
klimafitte Forstpflanzen gefördert. Auch in den kommenden Jahren
stehen dafür und für die Waldpflege Mittel in der Höhe von rund 29
Mio. Euro zur Verfügung.

In der Steiermark steht mit der dynamischen Waldtypisierung bereits
ein Online-Tool zur Verfügung, das Waldbesitzerinnen und
Waldbesitzern unkompliziert und kostenlos maßgeschneiderte
Empfehlungen bietet. Dabei fließen Prognosen zu
Temperaturentwicklungen, Niederschlägen und weiteren
Klimaveränderungen ein, um konkrete Maßnahmen für ihre Wälder
ableiten zu können.

Ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Waldverjüngung ist auch
die Begrenzung von Wildschäden. Der Wildschadensbericht 2024 liefert
dafür konkrete Empfehlungen und zeigt Beispiele auf. Pilotregionen
werden mit dem Ziel, optimale Wald-Wild-Verhältnisse zu schaffen,
ausgewählt und dann mittels Begleitmaßnahmen unterstützt. In einer
neuen Broschüre werden Erfolgsmodelle wie beispielsweise das
„Integrale Wald-Wildmanagement“ oder Jagdkonzepte vor den Vorhang
geholt. Zur Umsetzung arbeitet das Land- und
Forstwirtschaftsministerium eng mit den Ländern und der Jägerschaft
zusammen. In den vergangenen zwei Jahren haben sechs Bundesländer
ihre Jagdgesetze angepasst, darunter auch die Steiermark. Zusätzlich
werden vom BMLUK gezielte Fördermaßnahmen – etwa für Einzäunungen
junger Bäume – bereitgestellt, um sie vor Wildverbiss zu schützen.

Waldmonitoring bleibt zentrale Entscheidungsgrundlage
Totschnig: „Das professionelle Monitoring unseres Waldes im Rahmen
der Waldinventur ist die Grundlage für eine vorausschauende
Forstpolitik. Nur so können wir fundierte Entscheidungen treffen,
Maßnahmen wie zur Waldverjüngung setzen und damit sicherstellen, dass
unser Wald auch in Zukunft seine wichtigen Funktionen erfüllen kann.
Mein Dank gilt den vielen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, der
Jägerschaft, dem Forstpersonal und allen anderen, die sich für eine
gesunde, nachhaltige Entwicklung des Waldes in Österreich einsetzen.“

Schmiedtbauer: „Unsere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind die
wichtigsten Verbündeten, wenn es darum geht, die Wälder klimafit zu
gestalten. Sie tragen die Verantwortung Tag für Tag vor Ort und
brauchen dafür klare Empfehlungen, verlässliche Rahmenbedingungen und
Unterstützung. Nur gemeinsam mit ihnen gelingt uns der Waldumbau.“

Link zum Wildschadensbericht 2024

Link zur Broschüre Erfolgsmodelle ausgeglichener Wald-Wild-
Verhältnisse