ÖÄK zum Welt-AIDS-Tag: Weniger HIV-Infektionen durch Früherkennung und Therapie

Wien (OTS) – „Nach einem Rückgang der diagnostizierten
HIV-Infektionen während der
Coronapandemie, sind die Zahlen seither – mit etwa 450 Neuinfektionen
pro Jahr – auch in Österreich wieder auf das Vor-Corona-Niveau
angestiegen“, sagt Artur Wechselberger, Leiter des Referats für
Sozial- und Vorsorgemedizin in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
, im Vorfeld des Welt-AIDS-Tags am 1. Dezember. Ebenso müsse
weiterhin von einer nicht zu unterschätzenden Dunkelziffer
ausgegangen werden. „Auch wenn die chronische Erkrankung mittlerweile
gut behandelbar ist, sollte sie nicht auf die leichte Schulter
genommen werden. Früherkennung, wirksame Behandlung und regelmäßige
Kontrolluntersuchungen auch nach Therapiebeginn bleiben enorm
wichtig.“

Zwtl.: Die Bedeutung der Früherkennung

Bei einer Infektion mit dem HI-Virus (Humanes Immundefizienz-
Virus) werden Zellen des menschlichen Immunsystems angegriffen, was
unbehandelt zum Verlust dieser Immunzellen und damit zu einer
verminderten Funktionsfähigkeit des Immunsystems führt. AIDS (
Acquired Immune Deficiency Syndrome) ist die Spätfolge einer
unbehandelten HIV-Infektion. In diesem Stadium ist das Immunsystem
dermaßen geschwächt, dass es keine schweren Erkrankungen, wie etwa
Lungenentzündungen und Tumore, mehr abwehren kann. „Um das zu
verhindern, müsste die Früherkennung viel rascher erfolgen. Nach wie
vor gehen viele Betroffene oft erst in einem fortgeschrittenen
Stadium zum Arzt oder zur Ärztin“, sagt Wechselberger. Mit früheren
Diagnosen könnten auch therapeutische Maßnahmen früher beginnen und
zudem weitere Ansteckungen verhindert werden.

Zwtl.: Wann man zum Arzt gehen sollte

HIV wird durch Blut, Sperma, Vaginalsekret und den
Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut übertragen. Die häufigsten
Übertragungswege sind ungeschützter Geschlechtsverkehr und gemeinsame
Nutzung von Spritzen zum intravenösen Drogengebrauch. Die Symptome in
der Akutphase einer HIV-Infektion könnten unterschiedlich und
verschieden stark ausgeprägt sein, erklärt der Allgemeinmediziner.
Sie reichten von Fieber, Lymphknotenschwellungen und Hautausschlag
bis hin zu Durchfall oder schmerzhaften Schluckbeschwerden. „Treten
diese Symptome auf und ist man aufgrund der eigenen Lebensgeschichte
einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt, sollte unbedingt auch
ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.“ Gemeinsam könnten dann
die weiteren Schritte – etwa ein HIV-Test mittels Blutabnahme –
gesetzt und gegebenenfalls eine rasche Therapie in die Wege geleitet
werden.

Zwtl.: Auch andere durch Therapie und regelmäßige
Kontrolluntersuchungen schützen

Die heute in der Aids-Therapie angewandten Medikamente seien gut
verträglich und würden ausgezeichnet wirken, was sich auch am
deutlichen Rückgang von Aids-Erkrankungen ablesen lasse.
Wechselberger: „Sie verhelfen nicht nur den HIV-Infizierten selbst zu
einem weitgehend normalen Leben, sie schützen auch andere vor einer
Ansteckung. Denn je früher und konsequenter die Therapie durchgeführt
wird, desto geringer ist die Viruslast und desto weniger ist man auch
ansteckend.“ Von immenser Wichtigkeit seien in diesem Zusammenhang
auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach Therapiebeginn: „Damit
die Behandlung wirksam bleibt und sie vor weiteren Ansteckungen
schützt, muss regelmäßig überprüft werden, ob die Medikamente gut
eingestellt sind“, sagt Wechselberger. Weiters könne dadurch auch
verhindert werden, dass sich die Therapie negativ auf Organe oder
Organfunktionen auswirke.

Um das eigene Risikobewusstsein für gefährliche
Ansteckungssituationen zu erhöhen, sollte neben der ärztlichen
Aufklärung auch das umfassende Beratungsangebot von den AIDS-Hilfen
in Anspruch genommen werden. Hier werden Betroffene und potenziell
gefährdete Menschen u.a. auch über präventive Maßnahmen informiert.
„Um sich vor einer sexuellen Übertragung von HIV zu schützen, ist die
Verwendung eines Kondoms nach wie vor eine hochwirksame Methode.
Drogenabhängige Menschen, die sich Suchtmittel intravenös
verabreichen, müssen sich der hohen Ansteckungsgefahr durch
infizierte Injektionsnadeln bewusst sein“, betont Wechselberger.