Wien (OTS) – Laut aktuell veröffentlichten Daten der Agentur für
Gesundheit und
Ernährungssicherheit (AGES) steigen die Zahlen für Hepatitis A in
Österreich gerade massiv an. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die
Zahl der Infektionen auf 221 Fälle verdreifacht, zwei Menschen sind
heuer bereits an den Folgen der Erkrankung verstorben.
„Die Infektion mit Hepatitis A kann überall passieren, in Österreich
ebenso wie im Ausland,“ warnt Naghme Kamaleyan-Schmied,
Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Wenn das Virus in einer
Gemeinschaft angekommen ist, verbreitetet es sich rasch – über
verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel, aber auch durch
Schmierinfektionen in Schulen, Kindergärten oder im familiären
Umfeld.
Die Empfehlung für eine Hepatitis-A-Impfung ab dem vollendeten ersten
Lebensjahr vor dem Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen wie etwa
Kindergärten wurde vor zwei Jahren aus dem offiziellen Impfplan
gestrichen. „Angesichts der aktuellen Fälle wäre es aber notwendig,
dies zu überdenken“, regt Kamaleyan-Schmied an. „Die Kosten betragen
pro Impfung etwa vierzig Euro. Das können sich viele gar nicht
leisten und sind deshalb einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt.
Wichtig wäre zudem, dass bei unklarem Impfstatus die Kosten für eine
Titerbestimmung von der Krankenkasse übernommen werden“, erklärt
Kamaleyan-Schmied. Eine solche Bestimmung zeigt, ob bereits eine
Infektion durchgemacht wurde oder ob Impfschutz besteht. „Wer einmal
Antikörper entwickelt, ist in der Regel ein Leben lang geschützt.“
Hepatitis A ist eine Leberentzündung, die wochen- bis monatelang sehr
belastende Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit oder Gelbsucht
verursacht. Bei älteren Menschen kann es auch zu schweren Verläufen
kommen. Zur Immunisierung steht ein allgemein sehr gut verträglicher
Totimpfstoff zur Verfügung, der oft auch als Kombinationsimpfstoff
mit Hepatitis B erhältlich ist. „Gerade in einer Millionenstadt wie
Wien, wo Infektionen sich rasch verbreiten können, ist eine hohe
Durchimpfungsrate zum sogenannten Herdenschutz unerlässlich“, sagt
Kamaleyan-Schmied. „Die notwendige Aufklärung gelingt am besten im
persönlichen Gespräch mit der Vertrauensärztin oder dem
Vertrauensarzt. Die Politik ist gefordert, die bestehenden Impflücke
zu schließen. Gleichzeitig appelliere ich an die Bevölkerung, die
Möglichkeit zur Impfung wahrzunehmen. So schützen Sie sich selbst,
Ihre Kinder und Ihr Umfeld“.
Notwendige Maßnahmen zur Sicherung der Gesundheit:
– Aufnahme von Hepatis-A-Impfung in das öffentliche, kostenfreie
Impfprogramm.
– Jährliche Impfberatung als Kassenleistung.
– Kostenübernahme durch die Krankenkassen der Titerbestimmung für
Hepatitis A und B im Falle eines unklaren Impfstatus.