Wien (OTS) – Trockenheit, Hitze und Dürre prägen die Ackerbau-Saison
2025/26.
„Derzeit wird bundesweit – mit lediglich 2,7 Mio. Tonnen bzw. einem
Minus von 15% – eine deutlich geringere Getreide-Erntemenge (ohne
Mais) als im Vorjahr erwartet. Ein Teil des Ertrags ist mit
Sicherheit der Professionalität der Ackerbäuerinnen und -bauern sowie
den modernen Sorten zu verdanken“, betonte LK Österreich-Präsident
Josef Moosbrugger heute bei einem Pressegespräch in Deutschkreutz
gemeinsam mit dem LK Burgenland-Präsidenten und Vizepräsidenten des
EU-Bauernverbands (COPA), Nikolaus Berlakovich.
„Klar ist gleichzeitig auch, dass die Einbußen im Osten erheblich
stärker ausfallen als im Westen. Außerdem ist die Getreideanbaufläche
nach derzeitigen Schätzungen gegenüber dem historischen Tiefststand
2025 weiter um 0,7% auf erstmals unter 0,5 Mio. ha gefallen, weil
Getreide mit der Trockenheit und Hitze schlechter zurande kommt als
z.B. Mais“, gab Moosbrugger zu bedenken. Herausfordernd sind für die
Ackerbaubetriebe neben dem Klima auch die EU-Politik mit
Kürzungsplänen und zusätzlichen Auflagen, die auseinanderklaffende
Preis-Kosten-Schere und der kontinuierliche Wegfall von
Pflanzenschutz-Wirkstoffen. In diesen Problemfeldern werden dringend
Verbesserungen gefordert.
Extrem lange Trockenphasen im Winter und Frühjahr
Die Witterung beim Herbstanbau 2025 war wechselhaft, es folgten
teilweise sehr trockene Wintermonate. Nach etwas Regen im Februar gab
es wieder eine langanhaltende Trockenphase im März und April. Die
Kulturen litten unter dem Niederschlagsdefizit und auch die
Temperaturen forderten die Kulturen sehr. Nach einer kurzen Erholung
mit Regen im Mai folgte eine extreme Hitze im Juni.
Die sehr langen Trockenphasen im Winter und Frühjahr haben eine
normale Bestockung, also Bildung von Nebentrieben bzw. ährenbildenden
Halmen, erschwert. „Auch jetzt setzt die extreme Hitze vielen
Kulturen gerade in der wichtigen Kornfüllungsphase erheblich zu. Die
Ernteerwartungen sind bereits früh unterdurchschnittlich ausgefallen
und werden angesichts der aktuellen Höchsttemperaturen von Tag zu Tag
geringer. Bei dieser Ernte erwarten wir extreme regionale
Unterschiede bei Qualität und Ertrag“, berichtete Moosbrugger.
Kulturpflanzen-Auswahl marktbedingt verändert
„Die Anbauentscheidungen waren 2025/26 wieder von den
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Marktpreisen beeinflusst. Das
Preisniveau und die Kostensituation haben die Anbauplanung jedenfalls
sehr schwierig gemacht. Die fünf wichtigsten Kulturen in Österreich
bleiben aber Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen
und Triticale“, so der LKÖ-Präsident.
Besonders stark ausgeweitet wurden im Vergleich zum Vorjahr
Sonnenblumen (+19,7%), Roggen (+10,1%), Ölkürbis (+9,5%) und
Wintergerste (+3,5%). Doch auch Raps (+5,7%) konnte von sehr
niedrigem Niveau wieder zulegen. Heuer prozentmäßig am stärksten an
Fläche verloren haben Erdäpfel (-18,5%; vor allem Stärkeerdäpfel mit
-50,5%), Körnererbsen (-21,2%), Ackerbohnen (-12,2%), Sommergerste (-
12,1%), Hafer (-9,3%) und Zuckerrüben (-8,3%).
Stark schwankende Erträge und Qualitäten
„Die Getreideerträge schwanken witterungsbedingt in Österreich,
sind insgesamt unterdurchschnittlich und nehmen Richtung
Trockengebiet im Osten spürbar ab. Bei Winterweizen zum Beispiel geht
man aktuell von durchschnittlich bis zu 20% weniger Ertrag pro Hektar
aus, während die Schätzungen im Burgenland sogar noch weiter darunter
liegen. Auf einzelbetrieblicher Ebene sind die Ertragsschwankungen
noch deutlich stärker“, hob LK Burgenland-Präsident Berlakovich
hervor. „Dieses Jahr wird es aber auch kleinregional sehr große
Unterschiede geben. Bei etwas durchlässigeren, sandigeren Böden ist
das Wasser bereits früher ausgegangen. Dort sind sehr dünne
Getreidebestände mit wenig Ähren je m² festzustellen. Zusätzlich kann
die Trockenheit Qualitätsprobleme verursachen, wenn die Körner nicht
ausreichend gefüllt werden und teilweise zu so genannten
Schmachtkörnern werden“, so Berlakovich.
„Problematisch ist auch, wenn die Pflanzen nach Niederschlägen
nochmals nachtreiben und es dann Ähren mit unterschiedlichen
Reifestadien gibt. Auf solchen Flächen ist es katastrophal schlecht.
Gut versorgte Böden mit höherem Ton- und Lehmanteil hingegen
speichern mehr Wasser und konnten die Dürrephase etwas besser
überstehen. Ertragseinbußen gegenüber 2025 werden bei allen
Getreidearten, aber auch bei Raps, Körnererbsen und Ackerbohnen
erwartet“, erklärte der LK Burgenland-Präsident und LKÖ-Pflanzenbau-
Ausschussvorsitzende. Wie es mit den Herbstkulturen genau ausschaut,
bleibt noch abzuwarten.
Moosbrugger: Historisch niedrige Getreidefläche muss zu denken geben
„Die wirtschaftlichen Herausforderungen für den Ackerbau sind
derzeit größer denn je. Seit der Ernte 2025, die weltweit
überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist, stehen die Preise für
Ackerfrüchte unter Druck. Die Erzeugerpreise befinden sich auf einem
niedrigen Niveau und haben sich bislang – bis auf einzelne Ausnahmen
wie Raps – kaum erholt, während die Produktionskosten weiterhin hoch
sind, insbesondere für Dünger, Energie, Treibstoffe etc.“, berichtete
Moosbrugger weiter.
„Diese Entwicklung betrifft nicht nur die klassischen
Getreidekulturen, sondern auch kostenintensive Produktionszweige wie
Erdäpfel, Zuckerrüben etc. Für viele Betriebe wird es dadurch immer
schwieriger, kostendeckend zu wirtschaften und notwendige
Investitionen zu tätigen. Maßnahmen wie der Agrardiesel für 2026 und
2027 sind gerade in dieser Situation unverzichtbar, federn aber nur
einen Teil der Kosten ab. Die historisch niedrige Getreidefläche
sollte allen zu denken geben“, warnte der LKÖ-Präsident.
EU aufgefordert, hohe Düngemittelpreise zu entschärfen
„Die Düngemittelpreise halten sich aufgrund der Krisen auf hohem
Niveau. Es gab einzelne Signale, dass die Düngerpreise sinken
könnten, aktuell ist davon in Europa aber noch wenig bemerkbar. Die
EU-Kommission hat erste Maßnahmen angekündigt, angesichts der
angespannten wirtschaftlichen Lage reichen diese Schritte jedoch
nicht aus“, so Moosbrugger, der weitere Entlastungen von der EU
fordert. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass europäische Bäuerinnen
und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten
Düngemittelpreisen konfrontiert sind und noch zusätzlich durch
Schutzmaßnahmen für die Industrie, wie den CO₂-
Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), belastet werden“, betonte der LK-
Präsident, der Entschärfungen fordert und sich einmal mehr für
wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen einsetzt – im Sinne
der hohen EU-Qualität und von Wettbewerbsfairness.
Starke, ausreichend ausgestattete GAP und Wirkstoffe gefordert
Berlakovich fordert außerdem: „Wir brauchen eine starke,
zukunftsweisende und ausreichend finanziell ausgestattete Gemeinsame
EU-Agrarpolitik (GAP) samt Inflationsanpassung. Außerdem müssen
praktikable, anreizbasierte Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ein
zentrales Ziel sein. Reformvorschläge, welche die GAP schwächen oder
Kürzungen im Bereich der Agrar-Umweltmaßnahmen vorsehen, lehnen wir
entschieden ab.“ Gleichzeitig müssten die angekündigten
Vereinfachungen und Entbürokratisierungen mittels Omnibusverfahren
tatsächlich zu einer spürbaren Reduktion des Verwaltungsaufwandes und
zu mehr Planungssicherheit für die Betriebe führen, unterstrich der
COPA-Vizepräsident.
Auch im Bereich des Pflanzenschutzes kämpfen die Betriebe um
Praktikabilität, da die Vorschläge der EU-Kommission zur Anpassung
der Zulassungsverfahren hinter den Erwartungen zurückbleiben.
„Infolge des massiven Verlusts an Wirkstoffen in den vergangenen
Jahren und der Tatsache, dass in Europa kaum neue zugelassen werden,
muss endlich das Ruder herumgerissen werden – in Richtung
Innovationen und Versorgungssicherheit“, so Berlakovich.
„Insbesondere wärmeliebende Arten breiten sich infolge des
Klimawandels zunehmend aus und verursachen erhebliche Schäden – auch
durch übertragene Krankheiten. Jährlich nimmt dieser Druck weiter
zu“, so der LK Burgenland-Präsident, der dringend echte
Verbesserungen fordert.
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