ÖGB: Höheres Pensionsalter löst keine Probleme – ein guter Arbeitsmarkt schon

Wien (OTS) – Die Debatte über ein höheres gesetzliches
Pensionsantrittsalter geht
am eigentlichen Problem vorbei. Entscheidend ist nicht, wie lange
Menschen arbeiten müssen, sondern ob sie überhaupt gesund bis zur
Pension arbeiten können. Der ÖGB stellt klar: Ein höheres
Pensionsalter nach einem starren Automatismus lehnt der ÖGB ab.
Stattdessen braucht es bessere Arbeitsbedingungen und mehr Schutz für
ältere Beschäftigte.

„Es ist leicht, vom Schreibtisch aus ein höheres
Pensionsantrittsalter zu fordern. Die entscheidende Frage ist aber:
Finden Menschen mit 60, 62 oder 65 Jahren überhaupt noch einen
Arbeitsplatz, entspricht? Genau hier müssen wir ansetzen“, sagt Anja
Hafenscher, ÖGB-Pensionsexpertin.

Länger arbeiten mit Automatismus? Die elegante Art sich vor den
wahren Problemen zu drücken

Die Diskussion in Deutschland über eine Dänemark hat bereits seit
zwei Jahrzehnten die automatische Koppelung des Pensionsalters an die
Lebenserwartung. Dieser Automatismus führt dazu, dass Menschen immer
länger arbeiten müssen – in Dänemark steigt das Pensionsalter dadurch
bereits deutlich an. Prognosen zufolge könnten dort Jahrgänge ab etwa
1996 sogar erst mit 74 Jahren regulär in Pension gehen. Für junge
Menschen bedeutet das, deutlich länger arbeiten zu müssen und einen
immer größeren Teil ihres Lebens in der Arbeitswelt zu verbringen.
Dies verstärkt die Belastung der jüngeren Generation
unverhältnismäßig.

„Ein höheres Pensionsalter bedeutet nicht automatisch
Nachhaltigkeit. Es erhöht vor allem den Druck auf Beschäftigte, die
schon heute körperlich oder psychisch stark belastet sind“, so
Hafenscher.

Österreich hat ein starkes gesetzliches Pensionssystem, das im
internationalen Vergleich hohe Leistungen bietet. Dieses System gilt
es abzusichern – nicht durch ein höheres Pensionsalter, sondern durch
gute Jobs auch für ältere Menschen.

Gesund bis zur Pension arbeiten ermöglichen

„Unser Pensionssystem ist durch demografische Veränderungen
herausgefordert, aber stabil. Die schnelle Lösung ist nicht, Menschen
einfach länger arbeiten zu lassen“, sagt Hafenscher.

Der ÖGB fordert daher bessere Arbeitsplätze, mehr Schutz vor
Belastungen und faire Chancen für ältere Arbeitnehmer:innen. „Wer
über ein höheres Pensionsalter spricht, muss zuerst dafür sorgen,
dass Menschen gesund bis zur Pension arbeiten können.“

Der ÖGB fordert:

– Kein Automatismus beim Pensionsalter: Der ÖGB lehnt ein höheres
gesetzliches Pensionsantrittsalter nach starren Regeln ab.
Entscheidend sind die Belastungen und Lebensrealitäten der Menschen –
nicht bloß die Lebensarbeitszeit.

– Gute Arbeit statt längeres Arbeiten: Menschen müssen gesund bis zur
Pension arbeiten können. Dafür braucht es bessere Arbeitsbedingungen,
mehr Schutz vor körperlicher und psychischer Belastung und echte
Perspektiven für ältere Arbeitnehmer:innen.

– Reform darf nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen: Ein höheres
Pensionsalter erhöht den Druck auf Beschäftigte und trifft besonders
jene, die bereits heute stark belastet sind. Stattdessen muss das
österreichische Pensionssystem durch faire Finanzierung und gute
Arbeitsplätze abgesichert werden.

Über uns:
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) vertritt rund 1,2
Millionen Arbeitnehmer:innen in Österreich. Gemeinsam mit seinen
sieben Gewerkschaften setzt sich der ÖGB als überparteiliche
Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und
Gehälter sowie soziale Gerechtigkeit ein.
www.oegb.at