Kürzungen in der oberösterreichischen Arbeitsmarktpolitik: arbeit plus warnt vor bundesweiter Entwicklung

Wien (OTS) – Die geplanten weiteren Kürzungen in der
oberösterreichischen
Arbeitsmarktpolitik bedeuten in vielen Projekten Einschnitte von 25
bis 30 Prozent des Fördervolumens. Die Sozialplattform Oberösterreich
hat sich deshalb gestern mit einem offenen Brief an Bundesregierung,
Landesregierung und die Verantwortlichen im AMS gewandt. Die
Sozialplattform Oberösterreich ist der Dachverband der
arbeitsmarktpolitischen Trägerorganisationen und Teil von arbeit plus
Österreich. arbeit plus Österreich nimmt diese Entwicklung auf und
ordnet sie in den bundesweiten Zusammenhang ein.

Was sich in Oberösterreich zeigt, beschreibt eine Entwicklung,
die arbeit plus seit Monaten in mehreren Bundesländern beobachtet.
Bei steigenden Betroffenenzahlen und anhaltender Inflation bedeutet
selbst ein nominal stabiles Budget faktisch eine reale Kürzung. Im
Mai 2026 waren 102.788 Arbeitslose in Österreich
langzeitbeschäftigungslos, ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Mehr als jede dritte arbeitslose Person ist damit länger als
ein Jahr ohne Beschäftigung.

„Oberösterreich macht heute sichtbar, was wir aus mehreren
Bundesländern hören: Die Mittel entsprechen nicht dem steigenden
Bedarf. Im Gegenteil, in vielen Bundesländern müssen Soziale
Unternehmen, die Menschen zurück in den Arbeitsmarkt bringen,
Angebote reduzieren, Arbeitsplätze abbauen, und einzelne stehen vor
der Schließung. Damit gehen Strukturen verloren, die sich über Jahre
bewährt haben“, sagt Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit
plus – Soziale Unternehmen Österreich.

Soziale Unternehmen beschäftigen Menschen, die am regulären
Arbeitsmarkt keinen Platz finden, schaffen regionalen Mehrwert und
entlasten letztlich die öffentliche Hand. Ausgaben in die aktive
Arbeitsmarktpolitik amortisieren sich für den Staat innerhalb von
fünf Jahren wieder vollständig.

„Wer jetzt in die aktive Arbeitsmarktpolitik investiert, spart
morgen bei den Transferleistungen und gewinnt Arbeitskräfte,
Kaufkraft und regionale Stabilität. Verlässliche, mehrjährige
Finanzierung schafft die Planungssicherheit, die
Trägerorganisationen, Mitarbeitende und Teilnehmer:innen brauchen“,
so Rehbichler. Arbeitsmarktintegration statt Verwaltung. Weil
Verantwortung sich rechnet.

Zwtl.: Was in Oberösterreich konkret auf dem Spiel steht

Stefan Thurner, Geschäftsführer der Sozialplattform
Oberösterreich und Vorstandsmitglied von arbeit plus Österreich,
beschreibt die Lage vor Ort. Am dramatischsten zeigt sie sich derzeit
in den Beratungsangeboten.

„Wer im Mai 2026 arbeitslos wurde und in ein Beratungsprojekt
vermittelt wurde, erhielt dort in acht Terminen persönliche,
arbeitsmarktbezogene Begleitung. Wer im August 2026 arbeitslos wird,
erhält im selben Projekt nur noch drei Termine, in denen
ausschließlich Bewerbungsunterlagen aktualisiert werden. Ab Juli
erstreckt sich diese Einschränkung auch auf jene, die besonderen
Unterstützungsbedarf haben, etwa Frauen, Migrant:innen und Menschen
mit gesundheitlichen Herausforderungen. Damit verlieren genau die
Menschen den Zugang zu Begleitung, die ihn am dringendsten brauchen“,
sagt Stefan Thurner.

Die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen in
Oberösterreich ist im Jahresvergleich um 18,2 Prozent gestiegen.
Parallel verschiebt sich auch die Beschäftigung in den
sozialökonomischen Betrieben: Mindestens ein Drittel der
Transitarbeitsplätze wird in Arbeitstrainingsplätze umgewandelt. Für
200 bis 300 arbeitslose Menschen entfällt damit ein reguläres
Einkommen und zugleich eine verbesserte Chance auf den Einstieg in
den ersten Arbeitsmarkt.

„Die Folgen reichen weit über den AMS-Kontext hinaus. In den
Regionen drohen Standortschließungen und der Rückzug aus dem
ländlichen Raum. Beschäftigungsprojekte sind zugleich kommunale
Dienstleister, die Gemeindebudgets entlasten und zu landespolitischen
Zielen etwa in der Kreislaufwirtschaft beitragen. Was kurzfristig
eingespart wird, wirkt mittel- und langfristig an anderer Stelle
mehrfach negativ“, betont Thurner.

Zwtl.: Kürzungslandkarte Österreich: Was in Budgettabellen verborgen
bleibt

Die vielen, oft kaum sichtbaren Einschnitte werden nun erstmals
an einem zentralen Ort dokumentiert. Das Momentum Institut hat die
Kürzungslandkarte Österreich veröffentlicht. Während Bund, Länder und
Gemeinden ihre Budgets kürzen, verlieren soziale Einrichtungen
Personal, reduzieren Öffnungszeiten oder müssen ganze Projekte
einstellen. Organisationen, Projekte, Beschäftigte und Betroffene
sind eingeladen, weitere Kürzungen vertraulich und auf Wunsch anonym
zu melden. Abgefragt werden Art und Ort der Kürzung, die direkten
Auswirkungen sowie mögliche Folgekosten.

„Was in Budgetpapieren wie eine kleine Einsparung im
Sozialbereich erscheinen mag, bedeutet in der Realität weniger
Beratung und mehr Belastung. Die Kürzungslandkarte macht sichtbar,
was in Budgettabellen verborgen bleibt. Wer über Einsparungen
spricht, muss auch ihre langfristigen Kosten benennen, denn sie
verschärfen Probleme und verschieben die Rechnung nur in andere
öffentliche Systeme“, sagt Barbara Blaha vom Momentum Institut.

arbeit plus unterstützt das Anliegen und ruft die
Mitgliedsorganisationen und Betroffenen dazu auf, ihre Erfahrungen in
die Kürzungslandkarte einzubringe.

Zwtl.: Worum es jetzt geht

Die Sozialplattform Oberösterreich ersucht in ihrem offenen Brief
um Planungssicherheit für die Trägerorganisationen, Mitarbeitende und
Teilnehmer:innen, um ein klares, gemeinsam entwickeltes Zukunftsbild
der arbeitsmarktpolitischen Angebote und um die Einbindung der
Trägerorganisationen in die Entscheidungsprozesse. Entscheidend ist
dabei nicht allein die Frage, wie viel Mittel zur Verfügung stehen,
sondern nach welchen Kriterien die Angebotslandschaft künftig
gestaltet wird, allen voran der regionale Bedarf, die
unterschiedlichen Zielgruppen und die wirtschaftliche Entwicklung in
den Regionen. arbeit plus Österreich teilt dieses Anliegen für alle
Bundesländer.

„Wer heute Unterstützung kürzt, zahlt morgen doppelt. Wir teilen
das Ziel, öffentliche Mittel wirksam und verantwortungsvoll
einzusetzen. Gerade deshalb braucht es Anerkennung der Sozialen
Unternehmen als systemrelevante Säule der Arbeitsmarktpolitik und
verlässliche, mehrjährige Finanzierung statt kurzfristiger
Einsparlogik“, schließt Rehbichler.

Zwtl.: Weiterführende Informationen:

– Presseaussendung Sozialplattform Oberösterreich:
https://www.sozialplattform.at/aktuelles-ganzer-beitrag/wer-heute-
unterstuetzung-kuerzt-zahlt-morgen-doppelt.html

– Offener Brief der Sozialplattform Oberösterreich: OFFENER BRIEF

– Presseaussendung inkl. Infografiken :
https://arbeitplus.at/arbeitsmarktpolitik-in-oberoesterreich-
kuerzungen/

– Kürzungslandkarte Österreich des Momentum Instituts:
https://www.moment.at/story/die-kuerzungslandkarte-was-oesterreichs-
sparpolitik-kostet/

– Presseaussendung arbeit plus zum Doppelbudget 2027/28 (Montag,
15.6.2026): https://arbeitplus.at/doppelbudget-2027-28-
arbeitsmarktpolitik/

Rückfragen Momentum Institut:
Nina Spurny
E-Mail: [email protected]
Telefon: +43 664 102 32 80