Gender-Schock: So ungerecht beginnt der Pay Gap schon in der Lehre!

Redaktion

Ungleiche Chancen von Anfang an: Der Gender Pay Gap in der Lehre

Es ist ein Skandal, der sich bereits in den frühen Jahren der Berufsausbildung abspielt: Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, nimmt bereits in der Lehrzeit seinen Anfang. Eine aktuelle Berechnung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) hat nun genau dieses Missverhältnis in den Fokus gerückt. Doch wie kommt es, dass junge Frauen und Männer bereits in der Lehre unterschiedlich verdienen? Und was bedeutet das für ihre Zukunft?

Traditionelle Rollenbilder führen zur ungleichen Berufswahl

Die Analyse zeigt, dass Jungen deutlich häufiger in besser bezahlten Lehrberufen landen, während Mädchen überdurchschnittlich oft Berufe wählen, die bereits in der Ausbildung schlechter bezahlt werden. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis tief verwurzelter gesellschaftlicher Rollenbilder und einer unzureichenden Berufsorientierung in Schulen.

Jennifer Huemer, Bundesjugendvorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), bringt es auf den Punkt: „Mit 15 oder 16 Jahren entscheidet niemand bewusst: Ich will später weniger verdienen oder eine kleinere Pension haben. Trotzdem passiert genau das viel zu oft.“

Berufswahl darf keine Gender-Falle sein

Der ÖGB fordert deshalb mehr und bessere Berufsorientierung bereits in der Schule. Jugendliche sollen alle Möglichkeiten kennenlernen – unabhängig davon, ob ein Beruf traditionell als „Frauen-“ oder „Männerberuf“ gilt. „Ein Mädchen muss wissen, dass Elektro- oder Labortechnik eine Option ist. Ein Junge muss wissen, dass Pflege, Büro oder Elementarpädagogik genauso Berufe mit Zukunft sind“, betont Huemer.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Ein Blick auf die Zahlen zeigt die eklatanten Unterschiede: Während ein Lehrling in der Elektrotechnik im ersten Lehrjahr 1.000 bis 1.093,49 Euro verdient, liegt das Gehalt einer Bürokauffrau im selben Zeitraum bei nur 721 Euro. Diese Unterschiede setzen sich auch im Einstiegsgehalt fort, wo die Differenz teilweise über 1.000 Euro betragen kann.

  • Frauenberufe: Einzelhandel (1.026 Euro im 1. Lehrjahr), Bürokauffrau (721 Euro), Friseurin (804 Euro), Verwaltungsassistentin (714,60 Euro), Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenz (974 Euro).
  • Männerberufe: Elektrotechnik (1.000 – 1.093,49 Euro), Metalltechnik (1.000 – 1.093,49 Euro), Kraftfahrzeugtechnik (1.000 – 1.093,49 Euro), Installations- und Gebäudetechnik (1.000 – 1.093,49 Euro).

Die langfristigen Konsequenzen

Diese ungleiche Bezahlung hat langfristige Konsequenzen. Frauen, die in Berufen mit niedrigerem Einkommen arbeiten, haben auch geringere Aufstiegschancen und verdienen im Laufe ihres Lebens weniger. Dies führt zu einer kleineren Rente und einer höheren Armutsgefährdung im Alter.

Ein Experte der Universität Wien, der anonym bleiben möchte, erklärt: „Die frühe Weichenstellung in der Berufswahl kann das gesamte Berufsleben beeinflussen. Eine ungleiche Bezahlung in der Lehre verfestigt sich oft und wird nur schwerlich ausgeglichen.“

Ein Blick über die Grenzen: Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Österreich steht mit diesem Problem nicht allein da. In Deutschland und der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch dort sind technische Berufe, die häufig von Männern gewählt werden, besser bezahlt als typisch weibliche Berufe im sozialen oder administrativen Bereich.

Ein Vergleich mit den skandinavischen Ländern, die für ihre Gleichstellungspolitik bekannt sind, zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Dort wird aktiv an der Förderung von Frauen in technischen Berufen gearbeitet, was zu einer Verringerung des Gender Pay Gaps bereits in der Ausbildung führt.

Was kann getan werden?

Die ÖGJ hat klare Forderungen aufgestellt:

  • Mehr geschlechtersensible Berufsorientierung in Schulen.
  • Bessere Informationen über Einkommen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.
  • Aufwertung und bessere Bezahlung frauendominierter Branchen.

Diese Maßnahmen könnten helfen, die Weichen für eine gerechtere Bezahlung von Männern und Frauen zu stellen.

Fazit: Der Weg in eine gerechtere Zukunft

Es ist an der Zeit, dass sich etwas ändert. Der Gender Pay Gap beginnt nicht erst im Berufsleben, sondern bereits in der Ausbildung. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, einen Beruf zu wählen, der ihnen nicht nur Freude bereitet, sondern auch ein angemessenes Einkommen bietet.

Die Zukunft kann gerechter sein – wenn wir heute die richtigen Schritte unternehmen. Denn letztlich sollte nicht das Geschlecht, sondern die Leistung und der Einsatz über Lohn und Karriere entscheiden.