Wien (OTS) – Die ÖH unterstützt die Forderungen der
Hochschulvertretungen an den
medizinischen Universitäten und Fakultäten nach einer Abschaffung der
verpflichtenden Basisausbildung. Nach dem Abschluss des
Humanmedizinstudiums müssen Absolvent_innen in Österreich derzeit
eine neunmonatige Basisausbildung absolvieren, bevor sie ihre
Facharztausbildung beginnen können. Dieses Modell, das 2015
eingeführt wurde, sollte ursprünglich klinische Grundkompetenzen
vermitteln und den Übergang in die Facharztausbildung strukturieren.
Aus Sicht der ÖH zeigt sich jedoch zunehmend, dass die
tatsächlichen Inhalte vielfach bereits durch das Klinisch-Praktische
Jahr (KPJ) im Studium abgedeckt werden. Gleichzeitig besteht
österreichweit ein Mangel an Ausbildungsplätzen, wodurch die
Basisausbildung strukturelle Engpässe zur Folge hat. Immer wieder
berichten Absolvent_innen von langen Wartezeiten, fehlenden
Ausbildungsstellen und unsicheren Perspektiven nach dem
Studienabschluss. „ Es ist nicht nachvollziehbar, dass
hochqualifizierte Absolvent_innen nach sechs Jahren Studium nicht
unmittelbar in ihre weitere Ausbildung einsteigen können, während
gleichzeitig über einen akuten Ärzt_innenmangel diskutiert wird “,
sagt Selina Wienerroither aus dem ÖH-Vorsitz.
Die ÖH warnt davor, dass dieser Engpass dazu führt, dass junge
Mediziner_innen entweder fachfremden Tätigkeiten nachgehen oder ihre
Ausbildung im Ausland fortsetzen. Dort ist der direkte Einstieg in
die Facharztausbildung in vielen Fällen möglich. „ Die
Basisausbildung ist in ihrer aktuellen Ausgestaltung zu einem
zusätzlichen Hindernis geworden. Statt den Berufseinstieg zu
erleichtern, erzeugt sie Verzögerungen und verschärft den Druck auf
das Gesundheitssystem “, betont Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz.
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung – steigende
Patient_innenzahlen und eine bevorstehende Pensionierungswelle vieler
Ärzt_innen – sieht die ÖH dringenden Handlungsbedarf. Ausbildungswege
müssten effizienter gestaltet und unnötige strukturelle Hürden
abgebaut werden. „ Wir dürfen es uns nicht leisten, gut ausgebildete
Absolvent_innen durch vermeidbare Engpässe zu verlieren. Ein direkter
und planbarer Einstieg in die ärztliche Ausbildung ist entscheidend
für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung “, erklärt Umut Ovat
aus dem ÖH-Vorsitz.
Die ÖH unterstützt daher ausdrücklich die gemeinsame Forderung
der ÖH-Vertretungen an den Medizinischen Universitäten Innsbruck,
Wien und Graz, der Studienvertretung Humanmedizin Linz sowie der ÖH
an der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems nach einer
Abschaffung der verpflichtenden Basisausbildung beziehungsweise nach
alternativen Modellen zur kurzfristigen Entschärfung der Engpässe.
Abschließend betont die ÖH, dass eine Reform der medizinischen
Ausbildung gemeinsam mit ausreichender Finanzierung der Hochschulen
und Gesundheitseinrichtungen gedacht werden müsse, um eine qualitativ
hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung in Österreich
langfristig sicherzustellen.