Wien (OTS) – Unter dem Titel „Eine moderne Wohnungslosenhilfe
muss…“ hat der
Verband Wiener Wohnungslosenhilfe heute den Situationsbericht 2025
vorgestellt. Der Bericht präsentiert Best Practices im Kampf gegen
Obdach- und Wohnungslosigkeit und zeigt, was es braucht, um Menschen
nicht nur vor Wohnungslosigkeit zu schützen, sondern auch Wege aus
der Obdachlosigkeit zu ermöglichen. Gleichzeitig warnt der Verband
vor möglichen Einsparungen im Bereich der Wohnungslosenhilfe.
Viele Wege
Wohnungslosigkeit entsteht durch ein Zusammenspiel individueller
Lebensumstände und struktureller Rahmenbedingungen und ebenso
vielfältig müssen auch die Wege aus ihr heraus sein. Die
Mitgliedsorganisationen des Verbands Wiener Wohnungslosenhilfe
arbeiten daher mit unterschiedlichen Instrumenten, um Menschen
einerseits vor Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu bewahren und
andererseits aus der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu begleiten. Von
der Wohnungssicherung über aufsuchende Sozialarbeit und mobil
betreutes Wohnen bis hin zu Housing First, die Ansätze sind
vielfältig und werden individuell an die Lebenssituation der
Betroffenen angepasst.
Diese Vielfalt an Unterstützungsformen ist nicht
selbstverständlich. Sie beruht auf der Innovationskraft der
Organisationen, dem Mut, neue Wege zu gehen, und auf verlässlicher
Finanzierung, die langfristig wirksame Hilfe überhaupt erst möglich
macht. In Wien ist über Jahrzehnte ein System gewachsen, das soziale
Verantwortung, Kooperation und Innovation verbindet. Diese Stärke
dürfe in Zeiten knapper Budgets nicht verloren gehen.
„ Wohnungs- und Obdachlosigkeit haben viele Ursachen strukturelle
wie individuelle. Und genauso vielfältig müssen auch die Wege sein,
die wieder hinausführen. Unterschiedliche Lebenssituationen brauchen
unterschiedliche Antworten. Die Wiener Wohnungslosenhilfe ist weit
mehr als die Vermittlung eines Wohnplatzes: Denn wer seine Wohnung
verliert, verliert Sicherheit, verliert Alltag. Eine moderne
Wohnungslosenhilfe braucht daher das ganze Spektrum an Maßnahmen: Von
Prävention und Wohnungssicherung über betreutes Wohnen und Housing
First bis hin zu Notquartieren im Winter. Um das Ziel der EU zu
erreichen, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beenden, braucht es den
gemeinsamen Willen aller politischen Ebenen, präventive und
nachhaltige Ansätze weiter zu stärken. “ sagt Mag.a Johanna Reithner,
Leitung Soziale Arbeit in der Volkshilfe Wien.
„ Die Wohnungslosenhilfe ist für viele Menschen ein wichtiges und
oft das letzte Sicherheitsnetz. Um dieses nicht brüchig werden zu
lassen, müssen wir mehr als nur Wohnraum anbieten. Es muss das Ziel
einer modernen Wohnungslosenhilfe sein, Wohnmöglichkeiten in
Kombination mit psychosozialer Unterstützung, Beratung,
Bildungsangeboten und Arbeitsintegration zu schaffen. Besonders mit
Blick auf Alleinerziehende, Kinder und gewaltbetroffene Frauen müssen
schambedingte Barrieren abgebaut und niedrigschwellige Zugänge
geschaffen werden, um nachhaltige Perspektiven und Wege aus der
Wohnungslosigkeit zu ermöglichen. Nur so kann die Vielfalt
langfristig gesichert und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht
werden .“ betont Nicole Meissner, MSc BA, Geschäftsführerin der St.
Elisabeth-Stiftung.
„ Das soziale Wohnungsmanagement ist ein wesentliches letztes
Auffangnetz für Menschen, die nach Phasen der Wohnungslosigkeit
Zugang zu einem eigenen, leistbaren und langfristig gesicherten
Wohnraum erhalten. Es stabilisiert Wohnverhältnisse, vermittelt
zwischen allen Beteiligten und erkennt Krisen frühzeitig. Eine
moderne Wohnungslosenhilfe benötigt das flexible und niederschwellige
Angebot des sozialen Wohnungsmanagements, damit angemessener Wohnraum
für unsere Kund*innen erhalten bleibt .“ so Gernot Ecker DSA, Leiter
Wohnungslosenhilfe im Wiener Hilfswerk.
Konkrete Forderungen des Verbands Wiener Wohnungslosenhilfe an
die Politik
2023 waren mehr als 20.573 Menschen in Österreich als obdach-
oder wohnungslos registriert, davon rund 11.400 in Wien. Die
tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Viele Menschen,
insbesondere Frauen, junge Erwachsene oder Geflüchtete, sind verdeckt
wohnungslos und fallen in keiner Statistik auf.
Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt Obdachlosigkeit
bis 2030 zu beenden. Auch Österreich hat sich diesem Ziel
verpflichtet. Sollten Unterstützungsstrukturen auf allen Ebenen
geschwächt werden, wird Wohnungslosigkeit nicht nur sichtbarer,
sondern künftig mehr Menschen betreffen.
Der Verband richtet daher einen klaren Appell an alle politischen
Ebenen: Wohnungslosigkeit lässt sich nur bekämpfen, wenn viele Wege
offenbleiben. Wege, die aus Notlagen herausführen, Chancen eröffnen
und soziale Teilhabe ermöglichen.
Fotos der Pressekonferenz (Credits: Wiener
Roteskreuz/Hechenberger)
Zum Verbandsbericht
Verband Wiener Wohnungslosenhilfe
Der Verband Wiener Wohnungslosenhilfe ist eine Kooperation aus
den Mitgliedsorganisationen ARGE Wien, Caritas der Erzdiözese Wien,
Diakonie Flüchtlingsdienst, Heilsarmee, neunerhaus, Samariterbund
Wien, St. Elisabeth-Stiftung, Volkshilfe Wien, Wiener Hilfswerk,
Wiener Rotes Kreuz und WOBES. Ziel der Verbandsarbeit ist die
Unterstützung der Mitglieder in der Wohnungslosenhilfe und die
Förderung der Qualität und des Ausbaus der Dienstleistungen.