Gerstorfer: Frauen mit Demenz besonders häufig Opfer von Gewalt

Wien (OTS) – Der Zeitraum von morgen, 25. November bis 10. Dezember
bildet die „16
Tage gegen Gewalt an Frauen“. Anlässlich der Aktionstage betont
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs,
wie wichtig es ist, Gesellschaft und Politik noch stärker für dieses
Thema zu sensibilisieren: „Gewalt und Missbrauch von älteren Frauen
passiert meistens gerade an dem Ort, an dem man sich am sichersten
fühlt: zu Hause in der Familie. Frauen mit erhöhtem Pflegebedarf und
Demenz sind besonders häufig betroffen. Persönliche und soziale
Barrieren verhindern oft, dass die Gewalt gemeldet wird!“ Es sei,
daher – so Gerstorfer – notwendig, hier endlich aus der Tabuzone zu
kommen: „Informieren, sensibilisieren, hinschauen und im
Verdachtsfalle schnell reagieren. Nur so kann Gewalt verhindert
werden!“ ****

Aufmerksamkeit wichtig

„Gewalt und Missbrauch hat viele Formen. Nur wenige ältere
Gewaltopfer suchen sich aktiv Hilfe. Einige erkennen gar nicht, dass
sie Opfer von Gewalt sind, andere schämen sich für ihre Opferrolle,
haben Angst, sind abhängig von den Täter*innen oder können aufgrund
von erhöhtem Pflegebedarf oder Demenz gar nicht mehr um Hilfe
bitten“, so Gerstorfer. Hier müssen das soziale Umfeld, weitere
Verwandte, Nachbarn, der Hausarzt, die mobile Pflegekraft, aufmerksam
sein.

„Gewalt verletzt immer. Auch wenn die Verletzungen oft nicht
sichtbar und oft nur seelisch sind. Das macht es so schwer, sie zu
erkennen“, betont die PVÖ-Präsidentin. Wenn der Verdacht besteht, so
muss dies unbedingt sehr sensibel und behutsam angesprochen werden.
Im Idealfall holt man sich vorher noch Rat, wie man am besten mit der
jeweiligen, individuellen Situation umgehen könnte. Betroffene aber
auch Freunde, Bekannte oder Verwandte können sich hier auch jederzeit
professionelle Hilfe bei der Sozialhilfe des Pensionistenverbandes
holen.

Oft eine Folge der Überforderung

„Gewalt zu Hause ist oft eine Folge von Überforderung. Soziale
Isolation und die Abhängigkeit des Opfers vom Täter können zu
mehrfachen Überforderungssituationen von pflegenden Angehörigen oder
Pflegekräften führen. Ein sogenannter ‚caregiver-overload‘ kann in
Stress, Verzweiflung und Gewalt münden“, so Gerstorfer. Um
Überforderung zu verhindern, braucht es mehr Unterstützung für
pflegende Angehörige. Der Pensionistenverband spricht sich hier für
die flächendeckende Einrichtung von Informationsstellen aus, an die
sich pflegende Angehörige mit fachlichen Fragen, aber auch bei
eigener psychischer und/oder körperlicher Überlastung wenden können.
Weiters ist es notwendig, mehr und leistbare Tageszentren zu
schaffen, um pflegende Angehörige zumindest kurzzeitig entlasten zu
können. Bei der 24-Stunden-Betreuung ist eine entsprechende
Ausbildung und Unterstützung durch die Agenturen sicherzustellen.
Zusätzlich müssen auch der mobile Bereich der Heimhilfe, Altenhilfe,
Besuchsdienste und Hauskrankenpflege ausgebaut, gestärkt und
qualitativ gesichert werden. „Es sind viele Rädchen, die
ineinandergreifen müssen, um ein Altern in Würde und Sicherheit zu
gewährleisten. Gewalt hat so viele Gesichter – aber sie verletzt
immer. Physisch und psychisch. Es ist unsere Aufgabe als
Gesellschaft, dass wir alles daran setzen, Gewalt zu verhindern“, so
Gerstorfer abschließend. (Schluss)