München (OTS) – München (ots)
– Drei Forschende haben an der LMU mit internationalen Teams
prestigeträchtige Synergy Grants des Europäischen Forschungsrats
eingeworben.
– Die geförderten Projekte erforschen Nanomaschinen aus DNA, die
Proteinfabriken der Zelle und die Physik von Wolken.
– Die Fördersumme pro Projekt beträgt bis zu 14 Millionen Euro für
eine Laufzeit von bis zu sechs Jahren.
Der Physiker Prof. Tim Liedl , der Biochemiker Prof. Roland
Beckmann und der Meteorologe Prof. Fabian Hoffmann haben an der
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in Kooperation mit
internationalen Forschungsteams jeweils einen Synergy Grant
eingeworben – eine der angesehensten Auszeichnungen des Europäischen
Forschungsrats (ERC).
Mit den hochkompetitiven Synergy Grants fördert der ERC Projekte,
die nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von zwei bis vier
Teams von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu bewältigen
sind und zu „Fortschritten an der Grenze des Wissens“ führen. Die
Fördersumme pro Projekt beträgt bis zu 14 Millionen Euro für eine
Laufzeit von bis zu sechs Jahren.
„Ich freue mich außerordentlich über den Erfolg unserer
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ERC Synergy Grants
ausgezeichnet wurden. Dies ist eine eindrucksvolle Bestätigung der
wissenschaftlichen Exzellenz unserer Forschenden und der innovativen
Kraft unserer Universität“, sagt LMU-Präsident Matthias Tschöp.
Die vom ERC geförderten Projekte im Einzelnen
Mit DNA zur nächsten Technologiegeneration
Der ERC Synergy Grant DNA4RENOMS (DNA for Reconfigurable Nano-
Opto-Mechanical Systems), der an die Professoren Tim Liedl (LMU
München), Jeremy Baumberg (Universität Cambridge) und Peer Fischer (
Universität Heidelberg) vergeben wurde, soll den Bau von
Nanomaschinen, also winziger Geräte, die Atom für Atom aufgebaut
werden, unterstützen.
Moderne Technologien wie Smartphones, Projektoren,
Beschleunigungssensoren oder medizinische Implantate basieren auf
mikro- und nanoelektromechanischen Systemen. Dabei handelt es sich um
mikroskopisch kleine Maschinen, die in Siliziumchips eingraviert sind
und Bewegungen erfassen, Tinte ausstoßen oder Licht in optischen
Geräten lenken können. Diese sind aber bislang mit hohem Material-
und Energieverbrauch verbunden.
Das neue, durch den ERC Synergy Grant geförderte Projekt verfolgt
daher einen innovativen Ansatz, bei dem DNA-Strukturen zerlegt und
wieder aufgebaut werden. „Es geht nicht nur darum, etwas Kleines
herzustellen“, sagt Tim Liedl. „Es geht darum, eine völlig neue Art
der Maschinenherstellung zu erfinden – eine, die die Natur selbst
gutheißen würde.“
Proteinfabriken der Zelle entschlüsseln
Professor Roland Beckmann (LMU München) wird im Synergy Grant
snoOPERA (Beyond Modification: Defining Hidden Roles of snoRNPs in
Ribosome Assembly) in Kooperation mit Professorin Brigitte Pertschy (
Universität Graz), Dr. Antony Henras (French National Centre for
Scientific Research CNRS, Paris) und Professorin Sara Woodson (Johns
Hopkins University, USA) bestimmte zelluläre Faktoren – sogenannte
snoRNPs – charakterisieren, die eine bisher unterschätzte Rolle bei
der Bildung von Ribosomen spielen.
Ribosomen – die Proteinfabriken der Zelle – werden in einem
streng regulierten Prozess gebildet, der für das Wachstum aller
Lebewesen notwendig ist. Störungen oder Defekte der snoRNP-Expression
sind beim Menschen mit Knochenmarkerkrankungen, Neurodegeneration und
Krebs verbunden.
Die Forschenden werden in dem durch den Synergy Grant geförderten
Projekt verschiedene moderne Technologien integrieren, um eine
spezielle Klasse von snoRNPs zu charakterisieren, deren Struktur und
Funktionsweise bisher kaum bekannt sind. „Mit unseren Ergebnissen
wollen wir ganz neue Einblicke in die Rolle von snoRNPs gewinnen und
dazu beitragen, deren Bedeutung für menschliche Gesundheit und
Krankheit besser zu verstehen“, erklärt Roland Beckmann.
Turbulente Wolken besser verstehen
Das ERC-Synergy-Projekt TurPhyCloud (The role of Turbulence in
the Physics of Clouds), vergeben an Professor Fabian Hoffmann (Freie
Universität Berlin, bis September 2025: LMU München), Professor
Eberhard Bodenschatz (MPI für Dynamik und Selbstorganisation),
Professor Bernhard Mehling (Universität Göteborg) und Professor Pier
Siebesma (Universität Delft), bringt Fachexpertise aus der
Experimental- und Theoretischen Physik sowie der Meteorologie
zusammen, um die gesamte Bandbreite der Prozesse zu untersuchen, die
die Bildung von Stratocumulus-Wolken beeinflussen.
Diese tief liegenden, flachen und horizontal ausgedehnten Wolken
bedecken ein Fünftel der Erdoberfläche. Eine der größten
Herausforderungen in der Klimawissenschaft besteht darin,
vorherzusagen, wie sich Wolken im Allgemeinen und Stratocumuli im
Besonderen in einer sich erwärmenden Welt verändern werden.
Das Team wird dazu extrem hochauflösende Messungen auf der
finnischen Insel Utö durchführen, welche die gesamte Komplexität von
Stratocumulus-Wolken erfassen – von Prozessen auf der Kilometer- bis
hin zur Mikrometer-Skala. Daraus wollen die Forschenden statistische
Modelle für turbulente Prozesse in der Wolkenphysik ableiten, die
herkömmliche Simulationen in Bezug auf Genauigkeit und Auflösung
übertreffen. „Durch die Kombination einzigartiger Messungen mit
realistischen Simulationen wird TurPhyCloud Klimaprognosen und
Wettervorhersagen maßgeblich verbessern“, erklärt Fabian Hoffmann.
Weiterführende Informationen über die LMU-Projekte finden Sie
hier:
https://ots.de/3YDaUN