Heidelberg (OTS) – Mit großer Trauer geben die Familie und das
Institut für Plastination
bekannt, dass Dr. Gunther von Hagens, Erfinder der Plastination und
Schöpfer der KÖRPERWELTEN Ausstellungen, am 24. Juli 2026 im Alter
von 81 Jahren verstorben ist.
Gunther von Hagens hat die Anatomie nachhaltig verändert. Mit der
von ihm 1977 entwickelten Plastination eröffnete er der medizinischen
Lehre, der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit einen völlig
neuen Blick auf den menschlichen Körper. Was zuvor vor allem dem
Seziersaal und dem anatomischen Lehrbuch vorbehalten war, machte er
für ein Laienpublikum unmittelbar erfahrbar: die Komplexität,
Verletzlichkeit und Schönheit des menschlichen Körpers.
Mit den KÖRPERWELTEN schuf Gunther von Hagens gemeinsam mit
seiner Ehefrau und Kuratorin, Dr. Angelina Whalley, eine der
erfolgreichsten Ausstellungen weltweit. Seit ihrer ersten
Präsentation haben mehr als 58 Millionen Menschen die Ausstellungen
besucht. Sie machten Anatomie öffentlich zugänglich, regten zur
Auseinandersetzung mit Gesundheit, Krankheit, Lebensführung und
Sterblichkeit an und veränderten die Art und Weise, wie Menschen über
ihren eigenen Körper nachdenken.
„Gunther wollte den Menschen den Blick unter die Haut ermöglichen
– nicht aus Sensationslust, sondern aus der tiefen Überzeugung
heraus, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren,
gesünderen und verantwortungsvolleren Leben beitragen kann“, erklärt
Angelina Whalley. „Sein Werk war wissenschaftlich, aufklärerisch und
zutiefst humanistisch. Er hat Millionen Menschen dazu gebracht, den
eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen.“ Auch sein Sohn Rurik von
Hagens würdigt das Lebenswerk seines Vaters: „Mein Vater war ein
Mensch, der nie akzeptierte, dass Grenzen unverrückbar sind. Er hat
Anatomie aus dem geschlossenen Raum der Fachwelt in die Mitte der
Gesellschaft gebracht. Sein Mut, seine Beharrlichkeit und seine
unerschütterliche Überzeugung, dass Aufklärung den Menschen dient,
werden uns weiterhin leiten.“
Gunther von Hagens war Pionier, Forscher, Erfinder und Gestalter.
Sein Lebenswerk verband wissenschaftliche Präzision mit
handwerklicher Beharrlichkeit, künstlerischem Ausdruck und einem
starken Bildungsanspruch. Er war ein unkonventioneller, streitbarer
Denker, der heftige Debatten auslöste, Widerstände überwand und die
Anatomie als Begegnung mit dem Leben verstand.
Ein zentraler Bestandteil seines Werkes war stets die
Körperspende. Die in den KÖRPERWELTEN gezeigten menschlichen
Präparate stammen von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt haben, ihren
Körper nach dem Tod für Plastination, Wissenschaft und anatomische
Aufklärung zur Verfügung zu stellen. Ihnen galt Gunther von Hagens‘
besondere Dankbarkeit. In ihrer Entscheidung sah er einen
außergewöhnlichen Beitrag zu Bildung, Wissenschaft und öffentlicher
Aufklärung.
Es war Gunther von Hagens‘ eigener Wunsch, auch seinen Körper
nach dem Tod der Plastination zur Verfügung zu stellen. Seine
Angehörigen werden diesen Wunsch respektieren und ausführen.
Trotz schwerer Krankheit blieb Gunther von Hagens seinem
Lebenswerk eng verbunden. Die von ihm entwickelte Plastination, das
Institut für Plastination, das PLASTINARIUM und die KÖRPERWELTEN
Ausstellungen werden sein Vermächtnis weitertragen. Besonders
sichtbar lebt sein wissenschaftliches und handwerkliches Erbe in
Guben fort. Dort entstehen im PLASTINARIUM anatomische Präparate, die
weltweit in Universitäten, medizinischen Hochschulen und
Bildungseinrichtungen für die Ausbildung von Medizinerinnen und
Medizinern sowie anderer Gesundheitsberufe eingesetzt werden.
Die Plastination selbst wird heute an zahlreichen Universitäten,
medizinischen Hochschulen und Bildungseinrichtungen auf der ganzen
Welt genutzt. Damit wirkt die Mission, die Gunther von Hagens vor
nahezu fünf Jahrzehnten begann, weit über die KÖRPERWELTEN hinaus
weiter: Anatomie dauerhaft zu bewahren, sichtbar zu machen und für
Wissenschaft, Lehre und öffentliche Aufklärung zugänglich zu machen.
Die Familie bittet darum, in dieser Zeit der Trauer ihre
Privatsphäre zu respektieren.
Über Dr. Gunther von Hagens
Dr. Gunther von Hagens wurde am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden,
im heutigen Polen, geboren und wuchs in der DDR auf. Nach einem
Fluchtversuch wurde er inhaftiert und gelangte später in die
Bundesrepublik Deutschland. Nach seinem Medizinstudium erfand er 1977
an der Universität Heidelberg die Plastination, ein Verfahren zur
dauerhaften Konservierung biologischer Präparate. 1993 gründete er
das Institut für Plastination in Heidelberg, 2006 folgte das
PLASTINARIUM in Guben, das seit vielen Jahren die zentrale
Laboreinrichtung für Plastination ist. Mit den KÖRPERWELTEN
Ausstellungen machte er die Anatomie des Menschen einem weltweiten
Publikum zugänglich.
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