Berufliche Inklusion: Zero Project zeigt Chancen für Wirtschaft und Arbeitswelt

Klagenfurt (OTS) – Bei der heutigen Pressekonferenz zum „Zero Project
Unternehmensdialog“ machten Landesrätin Beate Prettner, Referentin
für Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung,
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig, Zero-Project-Gründer
Martin Essl, René Regenfeldner von „Stora Enso“ und Andreas Jesse,
Geschäftsführer von autArK, deutlich, dass berufliche Inklusion in
Kärnten zunehmend an Bedeutung gewinnt und für Unternehmen eine echte
Chance darstellt. Vor dem Hintergrund eines anhaltenden Arbeits- und
Fachkräftemangels zeige sich mehr denn je, dass Menschen mit
Behinderung einen wertvollen Beitrag zur betrieblichen Stabilität,
Teamkultur und Innovationskraft leisten können. Dafür will das Land
Kärnten gemeinsam mit den Projektpartnern beim „Zero Project
Unternehmensdialog“ Bewusstsein schaffen.

Prettner erinnert daran, dass das Land Kärnten seit acht Jahren
Partner des „Zero Project“ ist und betont, dass konsequente
Aufklärung und sichtbare Praxisbeispiele entscheidend bleiben, um
Vorurteile abzubauen. „Unternehmen dafür zu sensibilisieren, Menschen
mit Behinderung als vollwertige Mitarbeitende einzustellen, ist ein
langer Weg, der Geduld und ständige Information braucht. Die besten
Argumente liefern jene Betriebe, die es bereits erfolgreich tun – sie
zeigen tagtäglich, dass Menschen mit Behinderung wertvolle
Mitarbeitende sind und Unternehmen gerade in herausfordernden Zeiten
enorm stärken“, betont Prettner.

„Inklusion ist nicht nur ein gesellschaftspolitisch wichtiges
Thema, es kann für Unternehmen auch zum Erfolgsfaktor werden“, betont
Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig. „Menschen mit Behinderung
bringen vielfältige Stärken, Kompetenzen und Talente mit, die unsere
Betriebe bereichern. Nicht zuletzt geht es dabei aber auch um einen
Beitrag zur Fachkräftesicherung.“ Damit Inklusion nachhaltig gelingt,
brauche es jedoch die passenden Rahmenbedingungen: vom inklusiven
Arbeitsmarkt über gezielte Unterstützung in den Betrieben vor Ort bis
hin zu einem gut abgestimmten, barrierefreien Gesamtsystem, so
Schuschnig. „Kärnten ist hier auf einem guten Weg. Wir haben viele
Unternehmen, denen Inklusion ein echtes Anliegen ist und die seit
Jahren ganz bewusst darauf setzen. Sie übernehmen damit eine starke
Vorbildfunktion in der Gesellschaft und in der Wirtschaft, indem sie
zeigen, welchen Mehrwert Inklusion für alle Beteiligten schafft.“

In Kärnten leben derzeit 13.280 begünstigte Behinderte. 1.197
Unternehmen wären aufgrund ihrer Größe zur Einstellung verpflichtet,
430 erfüllen diese Verpflichtung. Damit liegt die Quote bei 35,9
Prozent und ist seit 2022 um fünf Prozentpunkte gestiegen.
Gleichzeitig zahlen Kärntner Unternehmen, die ihre Pflicht nicht
erfüllen, rund 5,7 Millionen Euro jährlich an Ausgleichstaxe.
Prettner macht klar, dass gesetzliche Vorgaben allein nicht
ausreichen, sondern „passende Rahmenbedingungen und konkrete
Unterstützung notwendig sind, damit Inklusion im Betrieb wirklich
funktionieren kann“. Das Land investiert stark in Beschäftigungs- und
Qualifizierungsprojekte, die individuelle Zugänge schaffen und
Barrieren abbauen. Im Jahr 2026 werden 732 Menschen mit Behinderung
im Sinne des Leitmotivs „Lohn statt Taschengeld“ in diesen Programmen
arbeiten können.

Eines davon ist das ChancenForum, das autArK bereits vor mehr als
20 Jahren gemeinsam mit dem Land Kärnten entwickelt hat und umsetzt –
es gilt als das „Pioniermodell“ im Bereich beruflicher Inklusion.
Aktuell umfasst es insgesamt 180 Erwerbsarbeitsplätze in
verschiedenen Branchen und Unternehmen in ganz Kärnten. Im Laufe der
Jahre haben sich aus dem Konzept unterschiedliche Differenzierungen
herauskristallisiert. So wird heute Nachmittag beim
Unternehmensdialog z. B. „HorSense – Verein für therapeutisches
Reiten“ vorgestellt, der über das Qualifizierungsmodell ChancenForum
light eine Mitarbeiterin bekommen hat. Sie wurde in den letzten drei
Jahren im Rahmen dieses geschützten Qualifizierungsmodells im Betrieb
fachlich befähigt und mit November 2025 von „HorSense“ in ein
Angestelltenverhältnis übernommen.

Zero-Project-Gründer Martin Essl weiß, welchen Effekt berufliche
Inklusion auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat: „Unser Ziel
ist es, Menschen mit Behinderung die Chance zu geben, durch eine
ihren individuellen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit ein eigenes
Einkommen zu erzielen. Auf diese Weise erfahren sie Wertschätzung und
das Gefühl, einen wichtigen Beitrag zu leisten – Aspekte, die ihr
Selbstbewusstsein nachhaltig stärken. Aus meiner langjährigen
Erfahrung als Unternehmer weiß ich, dass sich diese Menschen durch
außergewöhnliches Engagement, hohe Motivation und große Loyalität
auszeichnen – eine Win-Win-Win-Situation!“

Wie erfolgreich gelebte Inklusion für Unternehmen sein kann,
zeigt „Stora Enso“ – am Standort Bad St. Leonhard sind sieben
Menschen mit Behinderung beschäftigt. René Regenfeldner,
österreichweit Leiter der Lehrlingsausbildung, dazu: „Bei ,Stora
Enso‘ steht der Mensch mit seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt, nicht
die Einschränkung. Wir sehen in der Beschäftigung von Menschen mit
Behinderung keine soziale Verpflichtung, sondern eine Bereicherung
für das Unternehmen und schaffen regional Arbeitsplätze für Menschen
mit Behinderung. Vielfalt stärkt das Unternehmen – wir sehen, dass in
jenen Bereichen, wo Menschen mit Behinderung eingesetzt werden, neue
Perspektiven geschaffen werden, die Motivation im Team steigt und der
Zusammenhalt gestärkt wird.“

autArK-GF Andreas Jesse (autArK ist regionaler Partner des „Zero
Project“) hebt die Bedeutung einer professionellen Begleitung hervor,
z. B. durch das „Netzwerk Berufliche Assistenz“ (NEBA). „Die
Beschäftigung von Menschen mit Behinderung kann gerade in
herausfordernden Zeiten den Zusammenhalt im Unternehmen stärken und
einen positiven Beitrag zur Unternehmenskultur leisten, was sich
letztlich in einem Mehrwert für alle Beteiligten zeigt“, so Jesse.

Am Nachmittag, ab 16 Uhr, findet im Spiegelsaal im Amt der
Kärntner Landesregierung der „8. Zero Project Unternehmensdialog“
statt, bei dem zahlreiche Unternehmen Best- und Good-Practice-
Beispiele präsentieren. Mit einer Keynote von Ex-Skispringer Lukas
Müller, der seit einem schweren Sturz 2016 querschnittsgelähmt ist
und heute als Vermögensberater arbeitet, und vielen konkreten
Einblicken zeigt der Dialog, wie Inklusion wirtschaftlichen Erfolg
und menschliche Vielfalt verbinden kann und wie Unternehmen durch den
Abbau von Barrieren neue Perspektiven gewinnen.