Lohn-Alarm in Österreich: Droht der Gender-Pay-Gap-Supergau?

Redaktion

Österreich im Fokus: Der Kampf um faire Entlohnung!

Am 9. August wurde der Equal Pension Day begangen, ein Datum, das die Ungleichheiten in den Rentenansprüchen zwischen Männern und Frauen markiert. Nur wenige Tage zuvor geriet Bundeskanzler Christian Stocker in Salzburg unter Beschuss, als er die Frage aufwarf, ob Österreich wirklich bereit für eine faire, gendergerechte Entlohnung sei. Diese beiden Ereignisse haben die Debatte um die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) in den Vordergrund gerückt. Doch was bedeutet diese Richtlinie für Österreich, und sind wir wirklich bereit für die Veränderungen, die sie mit sich bringt?

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Ein Überblick

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie zielt darauf ab, für gleiche oder gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn zu gewährleisten, unabhängig vom Geschlecht. Unternehmen werden verpflichtet, ihre Gehälter offenzulegen und unbegründete Unterschiede zu erklären. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße müssen sie regelmäßig über ihre Gehaltstrukturen berichten. In Österreich und Deutschland ist die Richtlinie zwar noch nicht in nationales Recht umgesetzt, doch spätestens 2027 soll dies geschehen.

Die harte Realität: Frauen trifft es am härtesten

Eurogroup Consulting hat bereits erste Unternehmen aus dem Banken- und Finanzdienstleistungssektor bei der Umsetzung der Richtlinie begleitet und dabei fünf zentrale Erkenntnisse gewonnen. Eine davon ist, dass Frauen zwar nicht häufiger, aber härter von der Lohnungleichheit betroffen sind. Tanja Losse, Strategy Consultant Financial Services bei Eurogroup Consulting, erklärt: „Der Gender Pay Gap ist in erster Linie kein Thema der Häufigkeit, sondern der Ausprägung. Männer und Frauen sind zwar ähnlich oft betroffen, Frauen trifft es aber deutlich härter.“

Die gläserne Decke: Frauen in den oberen Gehaltsrängen

Ein weiteres Problem ist, dass viele Frauen die oberen Ränge der Gehaltstabelle erst gar nicht erreichen. Einige Unternehmen haben bereits Initiativen geschaffen, um Führungsaufgaben auch in Teilzeit zu ermöglichen. Doch Losse betont: „Das ist ein guter Anfang, muss aber noch viel stärker in die Breite gehen.“

Gender Pension Gap: Ein Blick in die Zukunft

Die Auswirkungen der Gehaltsungleichheit sind langfristig. Der Gender Pension Gap liegt derzeit in Österreich bei rund 40%. Frauen, die durch Karenz oder Teilzeit einige Jahre lang weniger in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen, sehen sich im Alter mit einer erheblichen Rentenlücke konfrontiert. „Konsequent zum Beispiel eine betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen, ist besonders wichtig für Frauen“, so Losse.

Up- und Reskilling: Die Rettung in der Not?

Die Digitalisierung und Automatisierung stellen weitere Herausforderungen dar. Eine Stanford-Studie von Ökonom Erik Brynjolfsson zeigt, dass vor allem stark automatisierbare Tätigkeiten, wie die klassische Assistenz- oder Sachbearbeiterrolle, unter Druck geraten. Losse rät: „Unternehmen sollten klare Entwicklungspfade anbieten, aber man kann gleichzeitig nicht die gesamte Verantwortung an den Arbeitgeber auslagern.“

Gleichmacherei: Eine Gefahr für die Leistungskultur?

Losse warnt jedoch vor einer pauschalen Gleichmacherei der Gehälter, die die Leistungskultur gefährden könnte. „Wenn ich alles pauschalisiere, um auf den ersten Blick fair zu wirken, stellt sich die Frage: Wie belohne ich dann noch die Extrameile?“

Der Weg in die Zukunft: Österreichs Herausforderungen

Auf die Frage, ob Österreich und Deutschland für faire Entlohnung bereit sind, gibt Losse eine klare Antwort: „Noch nicht ganz. Aber die EU-Entgeltrichtlinie zwingt uns jetzt zumindest dazu, uns mit dem Thema Fairness ganzheitlich auseinanderzusetzen.“

Die Umsetzung der Richtlinie könnte tiefgreifende Veränderungen in der österreichischen Arbeitswelt mit sich bringen. Die Transparenz in der Vergütung könnte dazu führen, dass Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen überdenken und anpassen müssen. Dies könnte insbesondere für kleinere Unternehmen eine Herausforderung darstellen, die möglicherweise nicht über die Ressourcen verfügen, um die erforderlichen Anpassungen vorzunehmen.

Die Rolle des Staates und der Gesellschaft

Der Staat könnte eine entscheidende Rolle spielen, indem er Anreize und Unterstützung für Unternehmen bietet, die die Richtlinie umsetzen. Bildungsprogramme und Initiativen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen könnten ebenfalls dazu beitragen, die Lücke zu schließen.

Die Gesellschaft muss sich ebenfalls ändern. Die Akzeptanz von Teilzeitführungspositionen und flexiblen Arbeitsmodellen könnte dazu beitragen, dass mehr Frauen in höhere Gehaltsränge aufsteigen. Eine verstärkte Sensibilisierung für die Bedeutung der Altersvorsorge könnte ebenfalls dazu beitragen, den Gender Pension Gap zu verringern.

Fazit: Ein langer Weg zur Gleichstellung

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie könnte ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung sein, doch der Weg wird nicht einfach sein. Es erfordert Anstrengungen von Unternehmen, dem Staat und der Gesellschaft, um die notwendigen Veränderungen herbeizuführen. Doch die Hoffnung bleibt, dass Österreich eines Tages bereit sein wird, für eine faire und gerechte Entlohnung zu kämpfen.