ORF-Generaldirektorin Thurnher: „Den ORF zu verbessern, ist notwendig. Ihn zu schwächen, wäre nicht klug.“

Wien (OTS) – Im Rahmen der Plenarsitzung des ORF-Publikumsrats, der
heute, am
Mittwoch, dem 3. Juni 2026, unter dem Vorsitz von Mag.a Gabriele
Zgubic-Engleder tagte, ging ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher auf
die Debatten, aber auch die Programmerfolge der vergangenen Wochen
ein: „In diesen Tagen wird wieder sehr grundsätzlich über den ORF
debattiert. Das ist legitim und wichtig. Aber der Eindruck, im ORF
laufe grundsätzlich alles schief oder man brauche ihn eigentlich
nicht mehr, ist falsch“, so Thurnher. Der ORF habe Herausforderungen,
die ernst genommen werden müssten – von Sparplänen über Compliance-
Fragen bis hin zu strukturellen Reformen. Gleichzeitig dürfe die
tägliche Leistung des Hauses nicht kleingeredet werden.

Thurnher verwies dabei auf die starke Nutzung des ORF durch das
Publikum: „Wenn man in die Daten schaut, sieht man nicht den
Untergang des ORF. Man sieht in vielen Bereichen genau das
Gegenteil.“ Der ORF habe im Mai die besten TV-Quoten seit zehn Jahren
erzielt. Auch der Song Contest habe gezeigt, dass der ORF weiterhin
in der Lage sei, große gemeinsame Momente zu schaffen und Themen zu
setzen.

„Der ORF funktioniert für sein Publikum. Er ist relevant. Er wird
genutzt. Er erreicht die Menschen. Er informiert, unterhält und
verbindet“, sagte Generaldirektorin Thurnher. Auch die bevorstehende
Fußball-WM würde sichtbar machen, welchen Wert öffentlich-rechtlicher
Rundfunk habe: „Es ist nicht selbstverständlich, dass große
Sportereignisse für alle zugänglich bleiben. Es ist nicht
selbstverständlich, dass man nicht für jede Halbzeit ein anderes Abo
braucht. Genau das kann der ORF leisten.“

Zugleich warnte Thurnher davor, den ORF in einer Phase großer
medienpolitischer Umbrüche weiter zu schwächen: „Man sollte
vorsichtig sein mit dem, was man sich in kollektiver Erregung
manchmal wünscht. Glaubt wirklich jemand, dass es Österreich besser
geht, wenn es dem ORF schlechter geht? Glaubt wirklich jemand, dass
unsere Demokratie stärker wird, wenn ihre öffentlich-rechtliche
Infrastruktur schwächer wird?“ Es gehe daher nicht darum, notwendige
Reformen zu vermeiden, sondern sie mit Augenmaß umzusetzen: „Den ORF
zu verbessern, ist notwendig. Ihn zu schwächen, wäre nicht klug.“

Gleichzeitig machte Generaldirektorin Thurnher deutlich, dass der
Erfolg beim Publikum keine Entschuldigung dafür sein dürfe,
notwendige Aufarbeitung zu vermeiden. „Während vorne das Programm
funktioniert, haben wir im Maschinenraum massive Baustellen. Beides
ist wahr. Und beides müssen wir ernst nehmen.“ Der ORF müsse sparen,
sich verändern und kritisch hinterfragen. Entscheidend sei aber,
diese notwendige Arbeit nicht gegen die Leistung der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter auszuspielen.

Zu den laufenden Compliance-Prüfungen im Zusammenhang mit ORF-III
-Produktionen hielt Generaldirektorin Thurnher fest, dass die
Vorwürfe ernst genommen und umfassend geprüft würden. „Die Vorwürfe
kratzen an der Glaubwürdigkeit der Inhalte und schaden letztlich auch
dem Image des ORF als Ganzem. Sie gefährden unser höchstes Gut: das
Vertrauen unseres Publikums.“ Sollten sich die Vorwürfe erhärten,
werde es klare Konsequenzen geben.

Am Ende betonte Thurnher die zentrale Aufgabe des ORF: „Nicht
jede Relevanz zeigt sich am nächsten Tag in einer Quote. Und nicht
jede Wirkung lässt sich in einer Tabelle abbilden. Aber die Zahlen
zeigen trotzdem sehr deutlich: Der ORF wird gebraucht. Er erreicht
die Menschen – im Fernsehen, im Radio, digital, bei großen Live-
Ereignissen, in Information, Kultur, Sport und Unterhaltung.“
Generaldirektorin Thurnher abschließend: „Der ORF ist nicht perfekt.
Aber er ist relevant. Und unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen,
dass er das auch bleibt.“