„Die Kleinkunstprinzessin und der Klangakrobat“: „dokFilm“ mit neuer Ausgabe der Reihe „Österreichs Originale“ am 24. August

Wien (OTS) – Sie sind mehr oder weniger berühmt – zumindest in ihrem
Bezirk, ihrem
Grätzel oder ihrer „Bubble“ – definitiv sind sie aber „Österreichs
Originale“. Regisseurin Jennifer Rezny stellt in der gleichnamigen
Dokureihe Menschen einander gegenüber, die aus dem Raster dessen
fallen, was landläufig als „normal“ bezeichnet wird. Menschen, die
von Leidenschaft und der Lust an der Grenzüberschreitung getrieben
sind. Die im „dokFilm“ am Sonntag, dem 24. August 2025, um 22.15 Uhr
in ORF 2 und auf ORF ON zu sehende jüngste Ausgabe des Porträtformats
mit dem Titel „Die Kleinkunstprinzessin und der Klangakrobat“ ist das
Doppelporträt zweier Männer, in dem auch eine Dame eine gewichtige
Rolle spielt. Als Drag Queen Grazia Patricia erlebt der Grazer
Schauspieler Patrick Weber den Rausch der Verwandlung berufsbedingt
immer und immer wieder – und vereint so die Kleinkunst mit großer
Pose. Dabei kommt er dem Publikum und sich selbst ganz nah. Der
Wiener Hans Tschiritsch verwandelt Klänge in Poesie und beweist
damit, dass Alltagsgegenständen ein besonderer Zauber innewohnen
kann: In akkurater Heimarbeit baut er Instrumente mit so klingenden
Namen wie Zwitscheridoo und Trompetuum mobile.

Anschließend an die „dokFilm“-Premiere sieht sich in einer 1996
entstandene Episode der ORF-Kultreihe „Alltagsgeschichte“ Elizabeth
T. Spira „Im Waschsalon“ um.

Mehr zum Inhalt: „Österreichs Originale – Die
Kleinkunstprinzessin und der Klangakrobat“ (22.15 Uhr)

„Ich bin ein komischer Typ, ein Außenseiter“, sagt Hans
Tschiritsch von sich selbst. Was kokett klingen mag, ist tatsächlich
eine Zustandsbeschreibung, die Freiräume schafft, um Konventionen zu
sprengen. Diese sind dem Musiker nämlich zutiefst zuwider. Das
konservative Milieu und der rigide Ton in seinem Gymnasium ließen den
gebürtigen Wiener bald Reißaus nehmen. Im Hippie-Milieu Berlins
verdingte sich der Schulabbrecher als Straßenmusiker und
Stelzengeher. Dann zog er weiter – und wurde in Spanien zum
Strippenzieher. Die von ihm geschaffenen Marionetten waren
Flamencotänzerinnen, mit denen er den Einheimischen die eigene Kultur
näherbringen wollte. Zurück in Wien begann der Künstler Instrumente
zu erfinden. Ein wenig wie ein Helikopter mutet sein „Dröhnrad“ an.
Wenn er in die Pedale tritt, setzt er einen Rotor in Gang, der
entstehende Luftwirbel wird zu Musik und der Klangakrobat hebt auf
den Schwingen seiner Fantasie ab. Beeindruckend sind auch
Tschiritschs Klanginstallationen. Bei seiner Komposition „Tropfen des
Seins“ fallen Wassertropfen aus mehreren Metern Höhe in
unterschiedlich große Behälter und erzeugen so einen faszinierenden
Klangteppich.

Es ist der entscheidende Moment, der den Alltag aushebelt und
alles verändert, wenn auch nur einen Bühnenauftritt lang: Wenn sich
Patrick Weber die Blondhaarperücke aufsetzt und in die glamouröse
Grazia Patricia verwandelt. In glitzernder Robe und in High Heels
spürt der Grazer sich so, wie er wirklich ist. Drag, das ist für ihn
ein Schutzpanzer, der ihm Superkräfte verleiht. Schon als Kind war
der Drang zur Rampe übermächtig – wenn er sich vor dem Spiegel in
Pose warf und die Rundbürste als imaginäres Mikrofon herhalten
musste. Nach Jobs als Statist landete Patrick Weber bei Elfriede Ott
in deren Schauspielschule. Das war der Beginn seines Weges zu einer
zweiten Identität, die seine eigentliche stärkte. Das professionelle
Rollenspiel sei übrigens viel mehr als leichte Unterhaltung. Drag,
das sei auch ein politisches Statement: die Aufforderung, nicht in
Schwarzweiß zu denken, das andere zu akzeptieren, mutig zu sein und
Mut zu machen.